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22. November 2012

Formel 1: Verneigung vor Schumacher

Sagt am Sonntag "Servus": Michael Schumacher. Foto: dpa

Michael Schumacher beendet am Sonntag endgültig seine große Karriere. Viele Weggefährten, aber auch zahlreiche Größen aus anderen Sportarten werden den Rekordweltmeister vermissen.

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Franz Beckenbauer will extra eine „Formel Schumacher“ gründen, Lukas Podolski freut sich aufs gemeinsame Kicken, und viele Weggefährten glauben an eine Erlösung für den „Größten aller Zeiten“. Vor dem endgültig letzten Rennen von Michael Schumacher verneigt sich die gesamte Sportwelt vor dem Formel-1-Rekordweltmeister. Doch vor allem seine Weggefährten sind sich auch sicher: Der Rücktritt ist mehr als richtig, die Zeit des siebenmaligen Weltmeisters, den Mercedes-Sportchef Norbert Haug unter anderem als „eines der Top-Ten-Lebewesen auf dieser Erde“ oder „das Renntier schlechthin“ bezeichnet hatte, ist vorbei.

"Erste große Sport-Ikone"

Vor allem bei den Vertretern anderer Sportarten, für die der 43-Jährige die Formel 1 praktisch darstellte, wird ein großes Vakuum entstehen. „Extra wegen ihm habe ich wieder angefangen, Formel 1 zu schauen“, sagt Fußball-Kaiser Beckenbauer und ist sich sicher: „Er wird irgendeine Betätigung brauchen, da er ein sehr aktiver und willensstarker Mensch ist. Selbst, wenn sie dafür extra eine 'Formel Schumacher' gründen müssen.“ Fußball-Nationalspieler Podolski, seit Jahren mit Schumacher - Mitglied und Fan des 1. FC Köln - befreundet, ist traurig, freut sich aber auch. „In Zukunft hat er dann mehr Zeit für den Fußball, und ich hoffe, dass wir dann mal zusammen kicken können“, meint der England-Legionär des FC Arsenal. Schumacher kickt immerhin mehr als passabel, für den FC Echichens spielte er in der dritten Schweizer Liga.

Für viele andere deutsche Spitzensportler war „Schumi“, den der dreimalige Wimbledonsieger Boris Becker einst als einen „der drei Top-Sportler aller Zeiten weltweit“ adelte, ein Idol der Jugend. „Persönlich ist Schumacher für mich die erste große Sport-Ikone gewesen“, erzählt beispielsweise Diskus-Olympiasieger Robert Harting: „Das war für mich die Person überhaupt, die den deutschen Sport repräsentiert hat.“ Auch der deutsche Golfstar Martin Kaymer berichtet, dass Schumacher „seit meiner Kindheit dabei war“. Beachvolleyball-Olympiasieger Julius Brink erinnert sich daran, dass ich „damals als kleiner Junge in seinem ersten Teil der Karriere oft mitgefiebert habe“. Die Verehrung bezieht sich vor allem auf Schumachers „erste Karriere“ bis 2006. Die zweite von 2010 bis 2012 bei Mercedes war weniger erfolgreich. Die Formel 1 weiß dennoch, was sie ihm zu verdanken hat.

"Er ist die Formel 1"

„Sein Rücktritt ist ein großer Verlust und schade. Es gab viele Leute, mich eingeschlossen, die sich sehr gefreut hätten, wenn er weitergemacht hätte. Für mich ist er immer noch einer der Größten“, sagt Sebastian Vettel, der am Sonntag durch seinen dritten WM-Titel weiter zu seinem einstigen Idol aufschließen will. „Die Formel 1 hat ihn nach seiner Rückkehr mehr gebraucht als er die Formel 1. Er ist die Formel 1. Wir werden ihn vermissen“, sagt auch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Und Nico Rosberg, der in drei Jahren stets erfolgreichere Teamkollege bei Mercedes, versichert: „Es hat sehr gut geklappt mit Michael. Also hätte es von mir aus sehr gerne auch so weitergehen können.“

War das Comeback nötig?

Viele sehen das anders, sogar der eigene Bruder. „Ich glaube, es ist ganz gut so, weil Michael sich selbst nicht ganz sicher war, ob er weitermachen will“, erklärt Ralf Schumacher, einst selbst Gewinner von sechs Formel-1-Rennen. „Wenn ich sage, er wäre besser nicht zurückgekommen, kriege ich gleich böse Mails“, meint dagegen Sky-Experte Marc Surer: „Es ist aber so.“ Und Felipe Massa, einst Teamkollege bei Ferrari, sagt durch die Blume dasselbe. „Auch Michael wird eben nicht jünger. Oder glaubt jemand, dass ein Fußballer mit 43 Jahren noch weltklasse spielen könnte“, fragt der Brasilianer und kommt zu dem Schluss: „Er hatte in seiner ersten Karriere zum perfekten Zeitpunkt aufgehört. Da war er 37.“

Jenson Button, 2009 Weltmeister, hofft, „dass Michael nicht noch einmal zurückkommen muss“ - weil er ihm ein erfülltes Leben abseits des Rennsports wünscht. Und Lotus-Pilot Romain Grosjean verkleidet seine Verehrung in Spott: „Wenn man ihn im Rückspiegel sieht, ist das immer noch Michael Schumacher.“ Es gibt auch andere Meinungen wie beispielweise die des 97er-Weltmeisters Jacques Villeneuve, der fragt: „Wieso hört er auf? Ich verstehe das nicht.“ Die diplomatischste Zusammenfassung kommt von ORF-Experte Alex Wurz. „Michaels Rückkehr war sicher kein Fehler“, sagt der: „Aber es war auch gut für den Sport, dass er mit über 40 nicht mehr dominiert hat.“ (sid)

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