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23. November 2012

Formel 1: Vettel fährt auf Attacke

 Von Elmar Brümmer
Sebastian Vettel kann in Interlagos nach seinem dritten WM-Titel greifen. Foto: dapd

Beim WM-Finale der Formel 1 in Interlagos steht für den Heppenheimer Sebastian Vettel eine ganze Saison auf der Kippe. Er hat beste Aussichten, zum dritten Mal hintereinander Weltmeister zu werden, doch Fernando Alonso will ihm noch einen Strich durch die Rechnung machen.

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São Paulo –  

Und plötzlich, wo alles so nah ist, soll nichts mehr so sein, wie es mal war. Plötzlich scheint der Titel so fern zu sein. Sollen 13 Punkte Vorsprung weniger beruhigend sein als 13 Punkte Rückstand? Und das alles, weil der Verlauf dieser Formel-1-Saison sich so perfekt in der Streckencharakteristik des Autodromo Carlos Pace widerspiegelt: ein ewiges Auf und Ab, 70 Prozent Vollgas, dünne Luft. Ideale Unsicherheits-Faktoren für das krönende Finale in der Königsklasse. Drama, bitte!

Aus der Formel 1 wird eine Formel Psycho. Das ist es, worin Fernando Alonso und Ferrari meisterlich sind. Martialische Sprüche gab es dazu bislang nicht, aber ein Statement, das von der Lässigkeit bei Sebastian Vettels Herausforderer zeugen soll: „Wir haben es nicht in unserer Hand, doch das heißt, dass wir nichts zu verlieren, aber eine Menge zu gewinnen haben“, sagte der Spanier beim verbalen Showdown, bei dem die beiden Kontrahenten in der ersten Podiumsreihe Michael Schumacher als Puffer zwischen sich hatten.

Sie wirkten beide ernster als gewohnt, eine Mischung aus Konzentration, Anspannung und gespielter Coolness. Und so fielen auch die Prognosen aus: „Ich versuche alles so zu machen wie an einem normalen Rennwochenende. Ein Podiumsplatz ist das Minimum, was ich anstrebe. Wenn wir dann über die Ziellinie sind, werden wir sehen, wo Sebastian gelandet ist – und dann können wir rechnen“, behauptete Alonso mit fester Stimme. Eichhörnchen spielen, das war schon das ganze Jahr über seine (durchaus erfolgreiche) Taktik. Diesmal erscheint es fast einfacher zu sein: „Normalerweise werden wir Zweiter hier, aber wenn etwas passiert, können wir Erster sein. Und die Formel 1 ist ein Sport, in dem alles passieren kann. Tief in mir drin spüre ich, dass ich es schaffen kann.“

Die mentale Kraft entscheidet

„Ich fahre auf Attacke“, sagt Vettel, der kein großer Taktierer ist, „ich tue, was ich kann. Und die Strecke scheint unserem Auto zu liegen. Wir müssen nur in den richtigen Rhythmus kommen.“ Die Hügelpiste von Interlagos („Zwischen den Seen“) oberhalb des Molochs von São Paulo liegt auf 800 Metern über dem Meeresspiegel, es ist der höchstgelegene Grand-Prix-Kurs.

Angemessen für den Höhepunkt des Jahres, auch wenn die Kontrahenten durch den niedrigeren Sauerstoffgehalt weniger Motorleistung zur Verfügung haben. Aber vermutlich kommt es auch mehr auf die Man-Power an, die mentale Kraft der großen Gegenspieler. „Ich bin zuversichtlich, denn wir befinden uns in einer exzellenten Ausgangsposition“, sagte Vettel, „wir sind uns der Position bewusst, wir haben lange und hart dafür gekämpft. Es ist nicht unsere Aufgabe, zu sehr über die Situation nachzudenken und zu rechnen. Das ergibt sich. Wir müssen nur nach uns selber gucken.“ Zuletzt in Austin waren es 40 Sekunden Vorsprung, die der Red Bull auf den Ferrari hatte.

Sebastian Vettel kämpft schon um den Ruf des jüngsten Dreifach-Champions der Geschichte, bevor er ihn überhaupt sicher hat. Angeblich soll Formel-1-Chef Bernie Ecclestone unterstellt haben, dass der Serien-Champion zu wenig „Charisma“ besitze. Vettel setzt sich eher mit der Frage auseinander, ob seine Reputation höher wäre, wenn er in einem nicht so dominanten Rennwagen sitzen würde: „Jeder von uns hat in schwächeren Autos angefangen. Aber noch keiner ist in einem wirklich schlechten Auto Weltmeister geworden. Das ist doch der natürliche Gang der Dinge: Ein starker Fahrer und ein starkes Team bilden eben eine starke Kombination, die schwierig zu schlagen ist.“

Fernando Alonso vertraut vor dem letzten großen Duell der längsten Saison in der Formel-1-Geschichte weiter auf alte Krieger-Weisheiten, dem sitzenden Samurai entsprechend, den er sich auf den Rücken hat tätowieren lassen: „Wir befinden uns auf dem Grat zwischen Gewinnen und Verlieren, zwischen gut oder magisch zu sein, zwischen Traum und Realität. Der Grat ist schmal, aber er ist uns vertraut.“ Vettel macht das pragmatischer: „Volle Kraft voraus.“ Die beiden Kontrahenten versuchten möglichst grimmig zu gucken, Alonso gelang das deutlich besser.

Interlagos ist zum vierten Mal nach 2006, 2007 und 2008 Schauplatz eines echten WM-Finales, Schumacher, Alonso, Massa und Hamilton haben hier schon beinahe sicher geglaubte Titel verloren. Die Wetterprognose für das Wochenende ist unbeständig, Gewitter und Regenschauer. Das erhöht die Risiken. Vettel hat sich bei ein paar Einheimischen erkundigt, aber die konnten auch nur mit den Schultern zucken: Schlechtes Wetter kann schnell kommen und genauso schnell wieder vorbeiziehen.

In 60 Jahren Formel 1 fiel die Entscheidung 26 Mal im letzten Rennen, 16 Mal gewann dabei der Pilot, der mit einem Punktevorsprung ins Rennen ging. Der Letzte, dem es gelang, den Spieß umzudrehen, war Sebastian Vettel 2010 – im Duell gegen Fernando Alonso. Damals in Abu Dhabi machte er sogar 15 WM-Punkte auf den Ferrari-Gegner gut. Was Alonso tun würde, falls er erneut unterliegen sollte: „Dann werde ich Sebastian gratulieren. Ich bin erst 31, und habe noch viel vor mir.“ Aber das war nur Schattenboxen, was gilt, ist auf dem Ring.

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