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18. November 2012

Formel 1: Vettel verpasst vorzeitige Entscheidung

 Von Elmar Brümmer
Hamilton lässt sich von Vettel feiern. Foto: dapd

Sebastian Vettel baut in Austin seinen Vorsprung in der Formel-1-WM aus, aber die Titelentscheidung ist vertagt. Der Brite Lewis Hamilton gewinnt das Rennen, Vettels Konkurrent Fernando Alonso wird Dritter.

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Sebastian Vettel baut in Austin seinen Vorsprung in der Formel-1-WM aus, aber die Titelentscheidung ist vertagt. Der Brite Lewis Hamilton gewinnt das Rennen, Vettels Konkurrent Fernando Alonso wird Dritter.

Austin –  

Ein richtig guter Western ist es nicht geworden. Aber: Im Duell mit Fernando Alonso hat Sebastian Vettel nach seinem zweiten Platz hinter Lewis Hamilton beim Großen Preis der Vereinigten Staaten seinen Vorsprung auf 13 Zähler ausgebaut. Der Spanier wurde Dritter in Texas, wo Vettel 41 von 56 Runden geführt hatte. Trotzdem darf Red Bull Racing schon vorzeitig über einen Titel jubeln – den in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft. 120 000 Zuschauer beim PS-Rodeo erlebten damit so etwas wie die Generalprobe für Vettels Titel-Hattrick. Aber das Zittern geht weiter.

Das Plakat mit der Aufschrift „Wanted: World Champion“ nimmt der Grand-Prix-Zirkus nun zum Finale kommendes Wochenende nach Brasilien mit. Es wird weiter gefahndet. 273:260 steht es für den Heppenheimer, der mit einem Sheriff-Stern auf dem Helm auf dem Circuit of the Americas unterwegs war. Ein vierter Platz in Interlagos reicht ihm in jedem Fall zum Titelgewinn.

Vettel fuhr im letzten Umlauf noch die schnellste Rennrunde, das war er seinem Ego schuldig. „Wir haben alles getan, was wir konnten“, funkte er mit belegter Stimme an die Box, „wir können glücklich sein.“ Aber eine kurzfristige Enttäuschung blieb trotzdem, so nah dran. „Für das Team und den Titel bin ich glücklich. Es war eng mit Lewis, er hatte eine Chance – und er hat sie genutzt. Ein großes Rennen, und ein gutes Resultat.“

Ein offensives auf-Nummer-Sicher-gehen

Der Weltmeistertitel im Dauer-Optimismus ist Fernando Alonso schon jetzt nicht mehr zu nehmen. Mit einem „guten Gefühl“, dass er das Titelrennen bis zum Schluss offenhalten kann, startete der Spanier in den vorletzten WM-Lauf. Auf dem siebten Rang, statt dem achten, auf dem er sich qualifiziert hatte. Dazu wurde einfach das Siegel am Getriebe von Ferrari-Teamkollege Felipe Massa aufgebrochen, der Brasilianer so von Platz sechs auf elf zurückgestuft – und Alonso stand auf der sauberen Seite. Stallorder ist im Mannschaftssport Formel 1 üblich, bei den Roten Prinzip – eine Schmach wie 2010, als man taktisch den Titel gegen Vettel versiebte, ist Mahnung genug. Jedes Mittel ist im zugespitzten Duell recht. Sentimentalitäten gibt es in diesem Stadium des Duells nicht mehr. Empörung schon, obwohl die vorgegaukelte Panne regelkonform war. Was Vettel dazu sagte: „Nix. Das ist nicht unsere Sache. Wir müssen auf uns schauen.“ Also nach vorn.

Alonso kam von der sauberen Seite der neuen Rennstrecke am besten weg, schob sich sofort auf den vierten Rang, an Michael Schumacher vorbei. Während die Konkurrenz noch Probleme hatte, die Reifen auf Temperatur zu bekommen, war Vettel schon heiß – und nach der sechsten Pole-Position zunächst über den Berg. Bis sich Lewis Hamilton, ein echter Asphalt-Cowboy, von der Herde löste und die Jagd begann. Alonso blieb hinter Vettels Adjudanten Mark Webber im Lauer-Modus.

Vettel wusste, dass er diesen Grand Prix nicht um jeden Preis gewinnen musste, es war mehr ein offensives auf-Nummer-Sicher-gehen. Nach einem Drittel der 56 Runden war der Brite im McLaren bis auf eine Sekunde am Red Bull dran. Auf weitere Schützenhilfe von Webber brauchte der Heppenheimer nicht mehr hoffen, der Australier stellte sein Auto ab, nachdem sich zuvor schon der Zusatzschub von Kers verabschiedet hatte. Sein erster technisch bedingter Ausfall seit 59 Rennen, ausgerechnet jetzt. Mal wieder die Lichtmaschine, die alte Red-Bull-Krankheit.

Musste jetzt auch Vettel wieder zittern? Zumal Hamilton sich nicht abschütteln ließ, am Rennsonntag schien die Überlegenheit von Red Bull wie weggewischt zu sein. Die merkwürdigen allgemeinen Leistungsschwankungen im Feld – Schumacher wurde in seinem vorletzten Formel-1-Rennen von Rang vier zwischenzeitlich auf Platz 15 durchgereicht – hatten damit zu tun, dass die Pirelli-Reifen schwer auf die optimale Temperatur zu bringen sind. Und das der noch frische Asphalt Öl ausschwitzt. Klar, Texas eben.

Schumacher setzt Bestmarke

So verlor auch Hamilton zunächst den Anschluss an Vettel, während Alonso sich auf dem dritten Platz einnistete. Der Brite musste sich nach 20 Runden ebenso wie Alonso frische Pneus holen. Die Ferrari-Crew patzte beim Reifenwechsel, brauchte mit 6,3 Sekunden doppelt so viel Zeit wie normal, weil das rechte Hinterrad zunächst nicht abging. Vettel kam im nächsten Umlauf, und die Mechaniker von Red Bull operierten in Champion-Manier: Lediglich 2,7 Sekunden Standzeit. Auch Kimi Räikkönen, der heranfliegende Finne im Lotus, wurde vor der Garage gebremst, damit blieb Alonso Dritter – und wahrte seine Chancen.

Das Spiel zwischen der silbernen Katz und der blauen Maus ging weiter, der McLaren kam immer bis auf unter eine Sekunde an den Red Bull heran. Aber im letzten Abschnitt der Runde zog Vettel dann wieder davon. Der Titelverteidiger wusste, wie viel Sicherheit ihm dieser Sieg für das Finale geben würde, komfortable 20 Punkte Vorsprung auf Alonso nämlich. Aber Hamilton ging in der 42. Runde mit einem extrem engen Überholmanöver vorbei, nachdem Vettel vorher beim Überrunden aufgehalten worden war. Hamilton ist ein durchaus verdienter Sieger in diesem grandiosen Zweikampf. Die WM ist plötzlich wieder offener.

Die Formel 1 bleibt nach der gelungenen US-Premiere ein Rechenexempel bis zu den letzten 305,9 Rennkilometern – die in einer Woche in Interlagos über Wohl, Wehe und WM entscheiden. Michael Schumacher, der mit dem Silberpfeil auf einem indiskutablen 16. Platz ins Ziel kam, fuhr in Austin in der zweiten Runde noch den letzten Rekord seiner Karriere ein: In der zweiten Runde übertaf er die bisher von Rubens Barrichello gehaltene Marke von 80067 gefahrenen Rennkilometern.

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