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14. November 2012

Nürburgring-Skandal Formel 1: "Nie mehr" Formel 1 auf dem Nürburgring

 Von Martin Henkel
Das waren noch Zeiten: Michael Schumacher auf dem Ring 2005.Foto: dpa

Insolvenzverwalter und Streckenbetreiber des Nürburgrings lassen Vereinbarung über die Zukunft platzen – Formel-1-Rennen gefährdet.

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Jetzt auch noch Karl-Heinz Steinkühler. Bislang war der Sprecher der Betreibergesellschaft Nürburgring Automotive GmbH, kurz NAG, nur als „Sprecher“ in Erscheinung getreten. Jetzt hat er auch noch einen Namen, was Herrn Steinkühler gerecht wird, er ist schließlich kein Posten, sondern Mensch. Aber sein Name vergrößert das Dickicht, das sich rund um die Formel-1-Schleife in der Eifel gebildet hat. Ach ja, apropos Formel 1: „Die“, so Sprecher Karl-Heinz-Steinkühler, „wird es auf dem Nürburgring nie mehr geben.“

Gelogen, betrogen, falsch ausgesagt

Das war die Meldung, mit der Steinkühler am Mittwoch die Bühne erklomm, auf der seit 2007 ein zunehmend irrsinniges Stück gespielt wird. Alles begann mit einem Sanierungs- und Umbauplan für die traditionelle Rennstrecke. Mittlerweile sind fünf Jahre vergangen. Die Strecke wurde saniert, umgebaut, aber nicht wie vorgesehen und unter sehr dubiosen Umständen. Es wurde gelogen, betrogen, falsch ausgesagt, falsch prognostiziert, falsch geplant. Es wurden Geld verschoben, verschleiert und verschleudert. Am Ende standen 350 Millionen Euro zu Buche – minus, bezahlt vom Steuerzahler. Und eine unrentable Rennstrecke, deren Besitzer mittlerweile Insolvenz angemeldet haben.

Vielen Darstellern hat dieses Stück ihre Zeit versaut. Der rheinland-pfälzische Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) musste gehen, Parteifreund und Ministerpräsident Kurt Beck geht auch − aus gesundheitlichen Gründen. Der Nürburgring-Chef Walter Kafitz räumte seinen Stuhl und machte Platz für die aktuellen Pächter der Strecke, NAG-Gesellschafter Jörg Lindner (Hotelier mit Herberge an der Strecke) und Mitgesellschafter Kai Richter, gegen den zurzeit ein Verfahren wegen Untreue läuft. Sie plagen sich seit geraumer Weile mit den Insolvenzverwaltern herum, mit Thomas Schmid und Jens Lieser.

Weitere Veranstaltungen gefährdet

Jetzt also eine neue Figur auf den Brettern: Steinkühler. Der NAG-Sprecher erklärte nicht nur, dass die Verhandlungen mit Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone abgebrochen wurden, und dass das für 2013 geplante Rennen ergo nicht stattfinden könne, sondern auch, dass andere Veranstaltungen auf dem Ring gefährdet seien, allen voran das Musik-Festival „Rock am Ring“ und das 24-Stunden-Rennen.
Wie es am Nürburgring weitergeht, ist offen. Aktuell ist die Konstellation diese: Die Strecke ist ein Investitionsgrab ersten Ranges, Besitzer Nürburgring GmbH – zu 90 Prozent im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz – ist insolvent, die Insolvenzverwalter sind unschlüssig, die Pächter kampfbereit. Sie hatten 2010 die Geschäfte übernommen. Zwei Jahre später wurde ihnen wegen unbezahlter Pachtrechnungen gekündigt. Anschließend meldete die Nürburgring GmbH Insolvenz an.

Seither schwelt der Streit.

Die NAG ringt mit den Insolvenzverwaltern um die Zukunft. Zuletzt war nach zähen Verhandlungen ein Vertrag entstanden, der Ende Oktober unterschriftsreif vorlag. Er beinhaltete eine Managementklausel, die NAG folgendes zusicherte: Lindner und Richter bleiben als Berater da, ermöglichen einen reibungsfreien Betriebsübergang, dürfen ihre Räume behalten, auch ihre Telefonnummern, und können ihre Webdomain www.nuerburgring.de weiter betreiben. Und dann, 2014: Danke, auf Wiedersehen!

Vereinbarungen wertlos

Am Dienstagabend ließ NAG die Vereinbarung platzen. Über Nacht hatte sich nämlich die Managementklausel verflüchtigt. Die NAG-Leute sprechen von Vertragsbruch, die Insolvenzverwalter von inakzeptabler Auslegung der eingeräumten Rechte. Ein Sprecher der Ring-Sanierer, einer ohne Namen, erklärte: „Die NAG-Führung hat bereits angefangen zu kommunizieren, dass sie am Ring bleibe und auch weiter das Sagen haben werde. Das war für uns nicht akzeptabel und hat uns gezeigt, dass ein solcher Managementvertrag unkalkulierbare Risiken enthält.“

Die Chance, den Streit einvernehmlich zu lösen, dürfte damit verspielt sein. Selbst dann, wenn die Ring-Betreiber ihren Widersachern in den NAG-Räumen zugerufen haben, die Türen stünden weiter zu Gesprächen offen. Aber eben zu Konditionen, die nicht nach dem Geschmack der NAG sind.

Die Gerichte bekommen also neue Arbeit. Ob das Formel-1-Rennen doch stattfinden kann, werden aber auch die Juristen nicht entscheiden. Das liegt allein in den Händen Ecclestones und der Streckenbetreiber. Ohne Mandat aber auch kein Verhandlungspartner, demzufolge auch kein Rennen. Für diesen Fall stünde jedoch die deutsche Schwesterstrecke in Hockenheim bereit. Nach Turnus wäre sie zwar erst 2014 wieder dran, aber eine Saison ohne Deutschland-Grand-Prix? Niemals! Hockenheims Oberbürgermeister Dieter Gummer sagte gestern: „Bevor der Grand Prix ausfallen würde, wären wir gesprächsbereit.“

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