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15. November 2012

Sebastian Vettel Formel 1: Respektiert, aber nicht bewundert

Sebastian Vettel mit F1-Kollege Fernando Alonso (r): "Es ist nichts Schlimmes dabei, wenn man mit einem Rennen unzufrieden ist." Foto: dpa

Sebastian Vettel hat in den USA seinen dritten WM-Titel vor Augen. Doch eines scheint noch zu fehlen: Die Bewunderung der Konkurrenz. Und die stichelt, wo es geht. Formel-1-Weltmeister Jacques Villeneuve zu Vettels Umgang mit Kritik: „Wie ein Kind“.

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Die Diskussion nahm zwischenzeitlich groteske Züge an. Denn die Zahlen sprechen eigentlich eine deutliche Sprache: 25 Jahre, 99 Rennen, 26 Siege und zwei WM-Titel. Und Sebastian Vettel kann am Wochenende beim Großen Preis der USA nachlegen. Holt er 15 Punkte mehr als sein Verfolger Fernando Alonso, ist Vettel zum dritten Mal in Folge Formel-1-Weltmeister. Vettel setzt neue Bestmarken und knackt Rekorde. Doch eines scheint noch zu fehlen: Die Bewunderung der Konkurrenz, die zuletzt Vettels eigene Leistung immer wieder herunter spielte. Der Red-Bull-Pilot nimmt das zumindest nach außen gelassen. „Ich glaube, dass der Pilot, der es am meisten verdient hat, am Ende auch Weltmeister wird.“

Und genau da scheiden sich die Geister. Hat Vettel es verdient, weil er einen Rückstand im Sommer von 44 Punkten in einen Vorsprung von zehn Zählern umgewandelt hat? Oder doch Alonso, der mit einem unterlegenen Ferrari das absolute Maximum herausgeholt hat? Ist deshalb Alonsos Leistung größer, weil Red Bull vor allem in den letzten Monaten dank Design-Genie Adrian Newey noch einmal die Kurve bekommen hat? Klar ist vor allem, dass jemand wie Vettel nicht verlieren kann und vom Ehrgeiz getrieben ist. Das hat der 25-Jährige aber auch nie bestritten.

Unglücklicher Umgang mit Fehlern

Im Gegenteil: In einem Interview gab er einmal zu, dass er sogar in einem Aufzug als Erster den Knopf drücken will. Was Vettel dann aber gerne vorgeworfen wird, ist sein Umgang mit Fehlern. Die gibt er nur ungern zu und redet sich dabei manchmal um Kopf und Kragen. Sein „Gurken“-Spruch gegen den Inder Narain Karthikeyan brachte ihm viel Kritik ein, auch wenn sein Ärger verständlich war. In Zeiten aalglatter und PR-gesteuerter Aussagen sind Vettels „Ausbrüche“ aber wohltuend offen.

Das sehen natürlich nicht alle so, am wenigsten seine Kritiker. „Wenn die Umstände gegen ihn sprechen, bleibt Fernando ruhig und cool, während Vettel meistens aufgebracht reagiert, herumschreit und den Mittelfinger streckt. Er verhält sich wie ein Kind“, sagte der frühere Formel-1-Weltmeister Jacques Villeneuve dem Magazin „Autosprint“. Vettel hält dagegen: „Es ist nichts Schlimmes dabei, wenn man mit einem Rennen unzufrieden ist. Wenn man ein schlechtes Rennen hatte und man fühlt, dass man es hätte besser machen können.“

Husarenritt in Abu Dhabi

Trotzdem: Laut Villeneuve habe Alonso den Titel eher verdient, er sei einfach der Beste. Vettel sei zwar superschnell, sagte der Kanadier: „Aber er hatte auch Glück“. Dieses Wort hörte man zuletzt öfter. Vor allem nach Vettels Husarenritt in Abu Dhabi, als er aus der Boxengasse noch aufs Podium fuhr. Deshalb mutet es seltsam an, wenn Villeneuve sagt: „Liegt er in Führung, wirkt er nahezu unschlagbar. Muss er aber aufholen, ist er verwundbar.“ Die Szene in Abu Dhabi, als sich Vettel in einer Safety-Car-Phase bei der Kollision mit einem Styroporschild den Frontflügel zerstörte, sei bezeichnend, ein „grober Fehler, der kaum Konsequenzen hatte“. Dass der vor Vettel fahrende Daniel Ricciardo den Fauxpas provozierte, erwähnte Villeneuve nicht.

Alonso betont immer wieder, man fahre gegen Newey und nicht gegen Vettel. Eine mehr als deutliche Geringschätzung für seinen WM-Konkurrenten. „Glaube ich, dass Vettel die gleiche Klasse hat wie Fernando Alonso? Nein! Fernando war mein Teamkollege. Also weiß ich, wie schnell er ist“, sagte McLaren-Pilot Lewis Hamilton. Neid muss man sich erarbeiten, Mitleid bekommt man geschenkt. Wenn das Sprichwort stimmt, hat Vettel hervorragende Arbeit geleistet. (dapd)

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