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11. Dezember 2012

Sebastian Vettel: Geerdeter Star

 Von Jörg Winterfeldt
Karrieren in der Formel 1 haben eines gemein: Einsamkeit, denn die vielen Freunde kommen oft erst im Ruhm. Foto: Getty Images

Ein Buchtipp zu Weihnachten: Wissenswertes über Weltmeister Sebastian Vettel und die Formel 1 in einem wie eine Biografie anmutenden Werk.

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Die ganze Nummer könnte wirken wie ein einziger großer Marketinggag. In weiser Voraussicht ist da ein paar Wochen vor Sebastian Vettels drittem Weltmeisterschaftstitel ein Buch erschienen, das wie eine Biografie anmutet. Deutschlands neuer Schumacher hat der Formel 1 einige Superlative beschert: jüngster Weltmeister, jüngster Titelverteidiger und so weiter.
Dass er auch der jüngste Athlet mit einer eigenen Biografie hätte werden können, wäre eher nicht schmeichelhaft gewesen. Was soll einer mit 25 Jahren schließlich alles erlebt haben, wenn er in einer Wohlstandsgesellschaft in sortierten Familienverhältnissen aufgewachsen ist? Der Turner Fabian Hambüchen hat demonstriert, welche Belanglosigkeiten der Mangel an spannenden Lebenserlebnissen und Erkenntnissen schon mal zutage zu fördern vermag.

Mehr als eine Biografie

Insofern scheint das von René Hofmann aus dem Sportressort der Süddeutschen Zeitung vorgelegte Buch ein hilfreicher Kompromiss. Der Verlag hat dem Werk einen vermeintlich verkaufsfördernden Titel verpasst, der Autor aber pfiffigerweise zum Wohle der Leser viel mehr als eine Biografie vorgelegt. Das lässt sich allein schon daran erkennen, dass sich die ersten 82 Seiten scheinbar mit dem Titelverteidigungsrennen in Suzuka im vorigen Jahr befassen. Tatsächlich erklärt Hofmann mehr als Vettel die Formel 1 selbst, ihre Technik, ihre Vermarktung und Stars, zuweilen noch grundsätzliche Sitten und Gepflogenheiten im Hochleistungssport. Er erläutert die modernen Boliden und beschreibt auch für Laien anschaulich diese skurrile Welt der Formel 1, die einerseits durch erstklassige Fernsehvermarktung so gut ausgeleuchtet ist wie kaum ein anderer Sport, die aber andererseits eben auch ihren Hang zum Konspirativen pflegt, Geheimhaltung und Spionage. Soweit gar, dass demolierte Autos bei der Bergung nur ja vom Kran nicht übertrieben hoch angehoben werden, um zu verhindern, dass eifrige Fotografen der Konkurrenz Aufschlüsse liefern über für gewöhnlich unsichtbare Teile und Konstruktionen.

5 000 Euro für die erste Saison

Häufig stammen Formel-1-Bücher von echten Kerosin-Poeten, von Fachleuten, die ihr Leben lang nur über Motorsport geschrieben haben. Das verschafft zwar enorme Insider-Kenntnisse, aber in den Büchern fällt vor allem auf, dass das Gespür dafür verloren geht, was normale Leser gern erklärt hätten. Hofmann indes schreibt über Tennis, Eiskunstlauf und Sport im Allgemeinen. Daher versteht er es, das Phänomen Vettel stets einzuordnen, etwa, wenn er Vettels Marotten vor dem Rennen, das Einsteigen von links, mit denen des Tennisprofis Rafael Nadal vergleicht. Um Vettel verstehen zu können, helfen die Schlenker, bei denen auch schon mal die Karriere des Konkurrenten Jenson Button kurz umrissen wird: Des „Lazy Playboy“, wie ihn der Fachmann für derartige Lebensstile, der frühere Rennstallchef Flavio Briatore, einst beschrieben hat.

Um dem Leser die Anfänge Vettels im Motorsport zu veranschaulichen, erinnert Hofmann an berüchtigte Profisportlereltern, die ihre Kinder mehr oder weniger aus persönlicher Profitgier losgejagt haben wie der Vater der Tennisschwestern Williams oder der des Steffi-Graf-Gatten Andre Agassi.
So arbeitet das Buch die Bescheidenheit von Vettels Eltern heraus, des Zimmermanns Norbert Vettel, der mit seinem Hang zur Tüftelei dem Sohn bei den Kinderrennen assistiert hat. Und der, wenn der Ehrgeiz mal verdächtige Auswüchse zeitigte, auch auf die Bremse trat, um den Sohn zu erden.
Doch wird deutlich, wie viel Einsatz diese Sportlerkarriere auch im Sog des Schumacher-Booms noch gefordert hat. Die Familie reiste am Wochenende zu Autorennen durch die Provinz. Die erste Kart-Saison hat 5 000 Euro gekostet, das Formel-BMW-Auto 48 500 Euro. Im Grundschulalter, mit neun Jahren, wenn die Arithmetik bei fünfstelligen Beträgen vielen Kindern nicht so leicht von der Hand geht, hat Vettel auf der Motorshow in Essen selbst potenzielle Sponsoren angebettelt, bis ein Alufelgen-Hersteller 10 000 Mark zusagte. Die Basisarbeit brachte löbliche Vorteile: Von umstrittenen Managern wie dem in Strafprozessen nicht unerfahrenen früheren Schumacher-Vermarkter Willi Weber hielten die Vettels sich fern.

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