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"Bingo" von der Steve Miller Band: Jenseits der Jeans-Werbung

Steve Miller ist noch am Leben! Er hat sich sogar dazu aufgeschwungen, eine neue Platte herauszubringen. "Bingo! ist das erste Album seiner Band seit 1993 - mit gemütlich schunkelndem Bluesrock. Von Thomas Winkler ( Mit Video)

Er rockt wieder: Steve Miller hat nach 17 Jahren wieder ein Album mit seiner Band aufgenommen.
Er rockt wieder: Steve Miller hat nach 17 Jahren wieder ein Album mit seiner Band aufgenommen.
Foto: Roadrunner

Prima Idee, dachte sich Marco Rubio. Sein Wahlkampfmanager hatte eben vorgeschlagen, seinen wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten eh schon angeschlagenen Konkurrenten um das Amt eines US-Senators per Internet-Filmchen endgültig zu erledigen. Eine neue Attacke sollte unterlegt werden mit einem alten Hit: "Take The Money And Run". Blöde Idee, dachte sich Steve Miller. Der hatte den Song einst geschrieben, vor 34 Jahren schon, und war nicht gefragt worden. Miller beschwerte sich, und Rubio zog den Clip zurück, mit dem vagen Hinweis darauf, dass Musik doch irgendwie so frei verfügbar sei im Netz.

Nachhilfe für Politiker

Das Album

Steve Miller Band: "Bingo!" (Roadrunner).

Live: 15.Oktober Düsseldorf, 16. Oktober Hamburg.

Wir lernen also: Amerikanische Politiker brauchen Nachhilfe in Sachen Urheberrecht. Außerdem: Manche Menschen denken immer noch, man könne mit Musik die Welt verändern. Und, nicht zuletzt: Steve Miller ist noch am Leben.

Er hat sich sogar dazu aufgeschwungen, eine neue Platte herauszubringen. "Bingo!" ist das erste Album der Steve Miller Band seit 1993. Die 17 Jahre seitdem hatte sich der Gitarrist und Sänger aus der Bierbrauerstadt Milwaukee sehr erfolgreich mit der Verwaltung seines Ruhms beschäftigt. In den USA füllt er noch heute die Konzertsäle, und in schöner Regelmäßigkeit erschienen Live- und Best-of-Alben.

Immer mit dabei: "The Joker", jener Klassiker von 1973, der in der halben Welt Nummer eins war und 16 Jahre später auch noch die restliche Hälfte eroberte, als er eine Jeans-Werbung verzierte. Es folgten weitere Hits, eben "Take The Money And Run", "Fly Like An Eagle" oder "Abracadabra", alle eingängig, eingehüllt in einen großartig konturlosen Sound, der erst kurz vorm Kitsch abstoppte.

Es war geradezu gefährlich cleverer Softrock, und niemand spielte ihn damals so butterweich wie Miller. Aber es war vor allem "The Joker", dieses federleicht groovende Stück perfekten Pops, das ihm einen Platz in der Musikgeschichte bescherte. Auf dem sich der mittlerweile 66-Jährige gerne ausruhte. Auch "Bingo!" ist keine kreative Offenbarung, sondern eine kaum mehr als solide Sammlung von Coverversionen.

Sicherlich: "Bingo!" ist eine Ehrerbietung an Millers Helden. Schließlich bekam er seine ersten Gitarrenstunden von seinem Patenonkel Les Paul, und T-Bone Walker spielte auf, als seine Eltern feierten. Wenn er nun aber, unterstützt von einer Riege altgedienter Studio-Könner, die Standards von B.B. King, Jimmie Vaughan, Jimmy Reed oder Jessie Hill nachspielt, dann übermannt ihn der Respekt.

Mini-Doku zum neuen Album "Bingo!" von der Steve Miller Band

Statt eine eigene Idee zu entwickeln, versucht er so erdverbunden zu klingen wie seine Vorbilder. Verloren geht ihm dabei jene leichte Hand, die seine besten Stücke auszeichnete, jene kaum zu erlernende Fähigkeit, selbst den alten, schwerfälligen Blues wie das Surrogat eines kalifornischen Sommers wirken zu lassen, wie ein Abenteuer-Placebo ohne Nebenwirkungen.

Einziger Vorteil: Steve Miller wird sich wohl keine großen Sorgen machen müssen, dass der gemütlich schunkelnde Bluesrock von "Bingo!" für Propagandazwecke missbraucht wird.

Autor:  Thomas Winkler
Datum:  15 | 6 | 2010
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