Man swingt nicht mehr, man zeigt höchstens zwischendurch, dass man das auch kann, aber man hat es eigentlich nicht nötig. Man spielt auch nicht eigentlich zusammen. Wenn man, wie jetzt bei einem von oben permanent betröpfelten, gleichwohl gut besuchten Open-air-Konzert im Frankfurter Palmengarten, als Quintett auf der Bühne steht, trifft man sich kurz zum gemeinsamen Thema, aber dann driftet man wieder auseinander, zwei Leute spielen etwas miteinander, ohne größere Bemühungen um Rollenaufteilungen zwischen Solist und Begleiter, aber auch ohne gemeinsam erarbeitete Verdichtungen, eigentlich fast ohne intensivere Reaktionen aufeinander, etwa so, wie man auf einer Party unter lauter Unbekannten virtuos aneinander vorbei reden würde, wenn es die Disziplin der virtuosen Party-Konversation gäbe, die maximale Materialbeherrschung mit optimaler Unverbundenheit, also Unverbindlichkeit, kombinierte. Manchmal gibt es allerdings auch echte begleitete Soli, vor allem wenn der famose Yves Robert Posaune spielt.
So gesehen, hat Daniel Erdmann einen guten Griff getan, als er für sein Quartett "Erdmann 3000" als Gast Yves Robert engagierte. Der hat nämlich kein Problem damit, selbst in diesem Kontext der gepflegten Unverbindlichkeit und betonten Coolness verbindlich und energetisch, also völlig uncool, zu spielen; cool ist er nur wegen seiner enormen Fähigkeiten der differenzierten Intonation und Artikulation.
Was aber bedeutet "cool" in diesem Zusammenhang? Es hat fast nichts mit dem guten alten Cool Jazz zu tun, eher mit einer modischen Haltung. Es bedeutet, dass man zeigt, was man könnte, es aber nicht tut, sondern lieber eine Inszenierung von möglicher Brillanz und großer Lässigkeit vor sich her schiebt. Erdmann 3000 ist, obwohl es sich dabei um fünf äußerst interessante Musiker handelt, damit beschäftigt, gemeinsam (oder eben eher nicht gemeinsam) mäßig interessante Musik zu machen.