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"Lasso" von 2Raumwohnung: Das Leben ist prima

Noch einmal inszenieren 2Raumwohnung die Welt als einen ewig andauernden lauen Sommerabend. Die Rhythmen der neuen CD sind wie üblich mittelschnell und manchmal leicht lateinamerikanisch.

Fast wie eine Szene am Strand: Inga Humpe,  Tommi Eckart und ein ganz großer Fisch.
Fast wie eine Szene am Strand: Inga Humpe, Tommi Eckart und ein ganz großer Fisch.
Foto: EMI

Inga Humpe war bei Leonard Cohen. War ein sehr schönes Konzert. Traurig, wehmütig, melancholisch. Und lehrreich. Plötzlich wusste sie, sagt die eine Hälfte von 2Raumwohnung, wie sie diese Ballade singen müsse, die sich bisher nicht so recht hatte singen lassen wollen.

Nun singt sie also "Wenn Du bei mir liegst", eines von 13 neuen Liedern, die sich auf "Lasso" finden, dem neuen Album von 2Raumwohnung, und tatsächlich: Wenn man will, wenn man genau lauscht, kann man hören, dass Inga Humpe singt wie Leonard Cohen. Ein wenig dunkler. Ein wenig gebrochener. Ein wenig verzweifelter. Ein wenig eben.

Schlussendlich bleiben 2Raumwohnung auch auf ihrem fünften Album vor allem eines: 2Raumwohnung. Humpe und ihr Lebensgefährte Tommi Eckart haben einen Sound zwischen Tanzboden und Lagerfeuer geschaffen, der einzigartig ist. Und nur wenig Veränderung verträgt. Oder auch: nötig hat. Denn warum sollte man ohne Not ein Erfolgsrezept verändern?

Interview mit 2Raumwohnung zum neuen Album "Lasso"

Den Fehler machen Humpe und Eckart nicht. Schon im ersten Song wird klar, worum es wieder geht. "Der letzte Abend auf der Welt" heißt das Lied, und diesen letzten Abend feiern 2Raumwohnung entspannt, mit einer fidelen Blaskapelle und einem fröhlich kreischenden Hintergrundchor, mit lustig trommelnden Gitarren und leichtfertig hingelaberten Sinnsprüchen wie: "Mal ehrlich, das Leben ist lebensgefährlich".

2Raumwohnung schmeißen also mal wieder eine Party und laden alle ein. Die Feier findet statt an einem Strand am Mittelmeer oder einer Altbauküche im Prenzlauer Berg, die Rhythmen sind wie üblich mittelschnell und manchmal, wie in "Mosaik" oder "Alles aus", auch mal leicht lateinamerikanisch. Getrunken wird Rosé, es riecht ganz dezent nach frischem Schweiß, die Gitarren sind akustisch und weich und doch auch ein bisschen rumpelig, an der Wand hängen noch die Tapeten vom Vormieter und am Himmel kann man die Milchstraße sehen. Die Atmosphäre ist stets die eines lauen Sommerabends und das Leben prima.

Doch in Interviews vor der Veröffentlichung von "Lasso" haben Humpe und Eckart angedeutet, dass das Projekt 2Raumwohnung, das ja bekanntlich ursprünglich aus dem Auftrag eines ostdeutschen Zigarettenherstellers für einen Werbesong und mithin wenig absichtsvoll entstanden ist, am Ende seiner Halbwertzeit angelangt sein könnte. So klingt "Lasso" zwar noch immer einigermaßen verstrahlt, aber vorsichtige Modifikationen sind nicht zu überhören.

Tatsächlich wirkt der Sound handfester, nicht mehr ganz so körperlos, die Gitarren werden endlich angeschlagen und nicht mehr nur gestreichelt. Auch entschwebt manche Tonfolge nicht mehr in unendliche Weiten, sondern bleibt schon mal irdischeren Sphären verhaftet. Und Inga Humpe singt diese Melodien nicht mehr grundsätzlich ätherisch entrückt, sondern lässt, so in "Überall rein", sogar manchmal die Rockröhre raushängen.

Ja, mitunter klingen 2Raumwohnung gar nicht mehr wie 2Raumwohnung, sondern wie die Eagles. So ist es zumindest am Beginn des Songs "Rette mich später", durch den eine heimtückische Slide-Gitarre schlingert. Aber natürlich schmiegt sich dieses East-Coast-Feeling dann doch pflegeleicht in das bekannt kuschelige Gesamtkonzept unseres Berliner Liebespaars. Schließlich ist es nicht verkehrt, davon auszugehen, dass Inga und Tommi auch bei Leonard Cohen vor allem sie selbst waren. Und angesichts des bösen alten Mannes aus dem großen New York tapfer Händchen gehalten haben.

Autor:  Thomas Winkler
Datum:  30 | 7 | 2009
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