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17 Hippies: Ein Pub im Kinderzimmer

Sie sind inzwischen strikter organisiert, ihre Musik aber ist so vielfältig und lebendig wie stets. Von Thomas Winkler

Die Musikgruppe 17 Hippies aus Berlin
Die Musikgruppe "17 Hippies" aus Berlin
Foto: dpa

Was singen die denn da? Welche Sprache soll das sein? Schwyzerdütsch? Oder irgendwas Osteuropäisches? Balkanesisch vielleicht? Nein, ganz profanes hessisches Gebabbel ist es, mit dem die 17 Hippies ihr neues Album "El Dorado" eröffnen. Aber das passt, ist die babylonische Verwirrung doch das beherrschende Stilprinzip im Schaffen der Berliner Formation. Das beginnt beim Namen der Band, führt über ihre Geschichte und Organisationsform, endet aber noch lange nicht bei Musik und Texten.

Genau siebzehn Musiker waren die Hippies wahrscheinlich noch nie. Und wenn, dann nur aus Versehen. In den ersten Jahren nach ihrer Gründung im Jahre 1995 war es so: Mitmachen bei den so genannten "offenen Proben" durfte jeder, der ein Instrument halten konnte. Das Ergebnis war ein Kladderadatsch aus Nationalitäten und Sprachen, Instrumenten und musikalischen Genres. Mal kam eine Rumpfbesetzung auf die Bühne, mal ein 27 Menschen starkes Orchester, und es konnte schon mal vorkommen, dass fast mehr Musiker auf der Bühne standen als Zuhörer davor. Aufgetreten wurde in Altenheimen, in Kindergärten, an Straßenecken, überall eben. Gespielt wurden Klezmer und Polka, Ländler und Country, französische, arabische oder mazedonische Folklore, und dann noch dieses krude Zeugs, das der Banjo-Spieler aus dem letzten Urlaub mitgebracht hatte. Ihr allererstes Album hieß "Rock'n'Roll 13" und da war allerhand drauf, aber garantiert kein Rock'n'Roll.

Live waren die 17 Hippies, das sprach sich schnell herum in Berlin, immer ein Ereignis. 2001 folgte ein weiterer Popularitätsschub, als sie für Andreas Dresens Film "Halbe Treppe" nicht nur den Soundtrack lieferten, sondern auch noch als Straßenkapelle auftraten. Der Erfolg war bescheiden, aber er kam, die Masse der Musiker bleibt trotzdem ein ökonomisches Wagnis. Bis heute sind die Hippies ein auf Selbstausbeutung beruhendes Unternehmen, aber dafür sind sie schon aufgetreten in halb Europa, in den USA und in Taiwan, in Russland, Australien und als einzige deutsche Band in der Normandie bei den französischen Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des Kriegsendes. Überhaupt ist man in Frankreich so berühmt, dass sich dort Bands wegen der Hippies gründen und ein Jugendorchester ihre Songs interpretiert.

Auf dem Weg ist allerdings die fragile Bandorganisation aus zufälligen Verantwortungen und einem komplizierten Finanzverteilungsschlüssel gescheitert. Aus dem Chaos entstand unter Geburtsschmerzen ein konstantes Gruppengefüge. Heute bestehen die 17 Hippies aus dreizehn Musikanten, die in regelmäßigen Abständen Platten herausbringen und dank ihres ewigen Status als Geheimtipp mehr schlecht als recht von ihrer Musik leben können, zum Teil immer noch nebenbei als Synchronsprecher oder Taxifahrer arbeiten müssen.

Bewahrt aber haben sie sich trotz der Veränderungen in der Organisation ihr geradezu unfassbar breites musikalisches Spektrum. Dieses entfaltet das Kollektiv, dessen Mitglieder aus Rock, Jazz und Klassik stammen, auch auf "El Dorado". In "La Zona Drom" werden indische Klischees in Osteuropa aufgewärmt, für "Solitaire" der Chanson wiederbelebt, und für "Six Green Bottles" eine angetrunkene Pub-Besatzung ins Kinderzimmer abkommandiert. Banjo und Hackbrett rotieren, Maultrommel, Euphonium, Ukulele und Tzoura erklingen, und sprachlich, wir sind hier schließlich in Babylon, bleibt es auf "El Dorado" natürlich nicht nur beim Hessischen: Gesungen wird außerdem in Französisch, Englisch und manchmal sogar in Deutsch.

17 Hippies: "El Dorado" (Hipster/ Soulfood).

Autor:  THOMAS WINKLER
Datum:  30 | 1 | 2009
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