Die Schlacht war geschlagen, noch bevor Karel Mark Chichon den Taktstock zur Ouvertüre der Schweizer Aufstandsoper "Wilhelm Tell" von Gioacchino Rossini gehoben hatte. Das Stück kam, wie so manches andere des Abends durch die Neue Philharmonie Westfalen unter Leitung des 1971 geborenen englischen Dirigenten, plastisch und differenziert zum Zuge. Kurze Instrumentalwerke, die die Funktion des je neuen Anlaufs für das eigentliche Geschehen des Abends hatten: das Idol auftreten zu lassen.
Elina Garanca, die vor Jahren noch an der Oper Frankfurt singende Lettin, 1976 in Riga geboren, ist mittlerweile zu den Big Ten aufgestiegen - in den Olymp der Mezzosoprane, wo sie sowohl akustisch als auch optisch eine besonders markante Rolle spielt: Ein Mezzo, der Hallen vom Schlage des Großen Saals der Alten Oper (2300 Plätze) bis zum Bersten mit purer Strahlkraft füllt, ohne die Spitzen zu pressen; einfach aus voller Kehle gleichsam eine vokale 1:1-Konvertierung.
Mit Gaetano Donizettis Romanze der Sara aus der Oper "Roberto Devereux" war das Format des ersten Teils des Abends festgelegt: nämlich eher lyrisch-dramatisch denn aggressiv-ekstatische Artikulationen. Man kennt andere Mezzosopranistinnen derselben Güte wie Elina Garanca, die hier wie auch bei den anderen Stücken den Phrasierungsstichel tiefer in die Oberflächen des Melos eindringen lassen würden, die mehr Fragilität und Verinnerlichung an einzelnen Figurationen entfaltet hätten.
Nach der Pause kam dann die leichtere Seite der Umjubelten zum Zuge. Spanisches Idiom von Ruperto Chapi y Lorente bis Georges Bizets "Carmen", die gleich mit den drei Hits "Habanèra", "Seguidilla" und "Chancon Bohème" das Frankfurter Publikum begeisterte. Ja, das ist Elina Garancas Ding: beschwingt, ohne Untiefen, aber mit allem Höhenwind, den man braucht, um den Sturm in einem Auditorium richtig zu entfesseln.