Es war ein Lob der Oberfläche, das Konzert mit drei frankophonen Komponisten, das die Alte Oper zusammen mit dem SWR Sinfonieorchester unter seinem Chefdirigenten Sylvain Cambreling veranstaltete. Maurice Ravels 1919 entstandene Orchesteradaption seines "Morgenlied eines Narren" von 1905 eröffnete das Programm im Großen Saal und zeigte die grell-verbogene Rhythmik samt scharf gerändertem Klang, hinter dem sich Ravel immer versteckt, wenn er die Maske der flirrend-bukolischen Geschmeidigkeit abnimmt. Das kam dank Cambrelings Dirigat hart und drastisch daher, bevor die Direktheit der Oberflächenartikulation vom Solisten des Abends übernommen wurde. Der hieß Renaud Capuçon und bestritt das Mittelstück des Konzerts: Édouard Lalos "Symphonie Espagnole" für Violine und Orchester d-Moll op. 21. Capuçon ist ein viriler Geiger, der das Idiom dieser 1874 verfassten hispanischen Sinfonie als eine Art Stierkampf zu begreifen schien, wobei die vier Saiten von einem Bogen und fünf Fingern gereizt wurden wie der Stier vom roten Tuch.
Den Beschluss des Abends machte Ernest Chaussons 1890 entstandene Sinfonie B-Dur - eine abzüglich des fehlenden Scherzos klassische Konstruktion, die zu ihrer Ausdrucks-Formatierung eine gewisse Wagnersche Schwergängigkeit nutzte und den Bayreuther Verächter welscher Lebens- und Kunstart mit herrlich schimmernden und dröhnenden Oberflächen einwickelte. Man konnte es hören: Das SWR Sinfonieorchester ist in Baden-Baden und Freiburg nahe genug an Frankreich, um die tiefe Oberfläche perfekt realisieren zu können.