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Kitty, Daisy & Lewis "Smoking in Heaven": Antimodernistische Pose

Musizieren mit Mami und Papi: Kitty, Daisy & Lewis klingen auch auf ihrem zweiten Album „Smoking In Heaven“ ganz retro. Wer bis heute dem Irrglauben anhängt, Rock'n'Roll habe etwas mit Rebellion zu tun, liegt falsch.

Kewis, Kitty und Daisy sind total echt – und analog.
Kewis, Kitty und Daisy sind total echt – und analog.
Foto: Ben Meadows

Wer bis heute tapfer dem nicht ausrottbaren Irrglauben anhängt, Rock’n’Roll habe immer noch etwas mit jugendlicher Rebellion zu tun, der sollte einem Konzert von Kitty, Daisy & Lewis einen Besuch abstatten. Die drei Geschwister reproduzieren nicht nur unglaublich stilsicher und historisch korrekt die späten Fünfziger und frühen Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts, sondern lassen sich bei dieser Exkursion ins Museum auch noch von Papa an der Gitarre und Mama am Bass begleiten.

Auch bei „Smoking In Heaven“, ihrem zweiten Album, haben sich Kitty, Daisy und Lewis Durham wieder von den Eltern unterstützen lassen. Warum auch nicht, wenn so viel Kompetenz in der Familie liegt: Graeme Durham ist Toningeneur und Studiobetreiber, seine Frau Ingrid Weiss hat mal bei der New-Wave-Band The Raincoats getrommelt.

Würde sich der Durham-Clan nicht über die Generationen hinweg offensichtlich so gut verstehen, läge allerdings nahe, die voller Überzeugung rückwärtsgewandte Musik von Kitty, Daisy & Lewis zu interpretieren als Protestnote gegen die vom Punk geprägte Vorstellungen ihrer Erzeuger. Denn auch „Smoking In Heaven“ reproduziert vor allem liebevoll jene retroselige Stimmung, mit der ihr erstes Album zum Überraschungserfolg wurde.

Das damals noch minderjährige Trio stützte sich beim Debüt allerdings noch vornehmlich auf Coverversionen möglichst obskurer Songs, mit deren Auswahl wohl vor allem bewiesen werden sollte, wie intensiv man sich in die Frühgeschichte von Rock’n’Roll und Rhythm & Blues eingearbeitet hatte. Das wurde nicht nur vom Publikum goutiert, sondern auch von den Kollegen: Nicht nur Chris Martin von Coldplay und Amy Winehouse outeten sich als Fans des Geschwister-Trios aus London.

Für „Smoking In Heaven“ nun hat man alle Songs selbst geschrieben, was aber tatsächlich kaum einen hörbaren Unterschied verursacht. Ob im sanft schunkelnden Ska „Tomorrow“, im nervösen Rockabilly „I’m Going Back“ oder im trägen Blues „Baby Don’t You Know“: Vor allem kommt es doch darauf an, dass die verfügbaren Stile in all ihrer melancholischen Patina nachgestellt werden. Die Garantie dafür ist das Heimstudio, in dem wieder aufgenommen wurde mit, wie das heute so heißt, Vintage-Equipment. Man könnte auch sagen: Mit Zeug vom Flohmarkt. Die Mikrofone sehen tatsächlich aus wie Mikrofone, die Verstärker brummen wohlig und auch die Aufnahmegeräte arbeiten noch analog. Keine Computer, das ist das Dogma, stattdessen die knisternde Wärme von Röhren und Kondensatoren.

Dass dieses Klangbild authentisch erzeugt wird und nicht etwa mit modernen, digitalen Mitteln, was technisch ohne weiteres möglich und für Laien kaum hörbar wäre, das ist grundlegend für den Erfolg von Kitty, Daisy & Lewis. Denn der ist natürlich auch Ausdruck einer Gegenreaktion auf die immer wilder galoppierende Moderne. Nicht, dass die drei Teenager nicht alle heutzutage verfügbaren Kommunikationsmöglichkeiten ausschöpfen und eine Website, ein Facebook-Profil, eine Myspace-Seite und sogar einen eigenen YouTube-Kanal betreiben würden. Aber was zählt, ist die antimodernistische Pose und der Glaube daran, dass Handwerk noch goldenen Boden entwickeln könnte. Kitty, Daisy & Lewis artikulieren ein Unwohlsein mit den modernen Formen der Unterhaltung. Ihr Protest richtet sich nicht gegen die Elterngeneration, sondern gegen ihre eigenen Altersgenossen, die ihr Leben hemmungslos in der digitalen Welt verschwenden.

Kitty, Daisy & Lewis: „Smoking In Heaven“ (Best Recordings/ PIAS).

Autor:  Thomas Winkler
Datum:  26 | 5 | 2011
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