kalaydo.de Anzeigen

Black Keys: Die allerletzte Gitarrenrock-Band auf der Welt

Restaurativ, aber nicht nostalgisch: Die Black Keys triumphieren bei ihrem Konzert in der Arena Berlin.

Dan Auerbach von den Black Keys am Sonnabend bei ihrem Berliner Konzert.
Dan Auerbach von den Black Keys am Sonnabend bei ihrem Berliner Konzert.
Foto: Roland Owsnitzki
Berlin –  

Rock ist nicht tot, er riecht nur komisch. Wer sich die aktuelle Entwicklung der Popmusik mit ein wenig Teilnahme anhört, kommt kaum um diesen selbst nicht gerade frischen Kalauer herum. Auch der letzte Blutaustausch liegt schon wieder gute zehn Jahre zurück. Damals sah es dank den Strokes und den White Stripes für einen Moment so aus, als könne man den digitalen Zeiten vielleicht doch trotzig mit ein paar verschrammten Gitarren begegnen.

Zumindest für anderthalb mitunter grandiose Stunden belebten die Black Keys am Sonnabend in der Arena diese natürlich auch etwas reaktionäre Sehnsucht. Interessanterweise gehört das Bluesrock-Duo aus dem Sänger und Gitarristen Dan Auerbach und dem Drummer Pat Carney als Bandjahrgang 2001 einerseits noch zu den Protagonisten des letzten kurzen Revivals; andererseits kommt den Black Keys als leichten Nachzüglern der damals so genannten "The"-Bands die Gnade der späten Entdeckung zugute. Obwohl sie im Dezember schon ihr siebtes Album "El Camino" veröffentlicht haben, wirken sie wie eine Band, die gerade erst anfängt.

Das liegt auch daran, dass sie sich scheinbar noch nicht ganz wohlfühlen in den neuen großen Hallen wie der ausverkauften 7000er-Arena, die ihnen der Erfolg ihres vorletzten Albums "Brothers" bescherte. Ziemlich überraschend landeten sie mit der Single "Tighten Up" einen rotierenden Radiohit, in dessen Fahrwasser sich das Album ein paar Millionen Mal verkaufte und Anfang letzten Jahres entsprechend mit drei Grammys in den Supermainstream geweiht wurde. Auch "El Camino" tauchte gerade als einsames Rockrelikt hochplatziert in den meisten Jahrescharts auf.

Im Mittelteil lässt die Konzentration nach

Während sie ihre Auftritte bisher nur zwischendurch mit Begleitmusikern verdichteten, verstärken sie sich nun von Beginn an sicherheitshalber mit Bass und Orgel. Für ihre hart rumpelnden Duette reservieren sie nur noch einen überschaubaren Mittelteil, in dem prompt die Konzentration im Publikum nachlässt. Doch auch zu viert hat man oft den Eindruck, die weitläufige Halle sei für die quietschenden Garagensounds der Band auf Dauer etwas zu groß. So entschlossen und sehr unwiderstehlich sie sich ihr Publikum mit dem großartig bollernden Einstieg "Howlin’ For You", dem zweiten Hit von "Brothers", am Kragen packen, so wirken sie in den weniger drängenden, bröseligeren Songs manchmal doch ein bisschen verlassen.

Dazu sollte man jedoch wissen, dass sich ihr Schaffen in zwei Perioden teilen lässt. Der erste wird von einem dröhnenden, dreckigen und scheinbar ganz in der Vergangenheit wurzelnden Blues geprägt, den sich Auerbach als Teenager auf Ausflügen mit seinem Vater ins Mississippi-Delta erarbeitete. Entsprechend nahm man die Black Keys im Schatten der ähnlich restaurativen White Stripes zunächst als recht erfrischende, letztlich aber nur epigonale Bluesrock-Romantiker wahr.

1 von 2
Nächste Seite »
Autor:  Markus Schneider
Datum:  29 | 1 | 2012
Seiten:  1 2
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
TV

Gestern ferngesehen? Wir auch! Diskutieren Sie mit!

Meistgeklickt
Sängerin Loreen holt mit Euphoria den ESC nach Schweden und siegt in Baku.
Eurovision Song Contest in Baku 
Harry Nutt
Leitartikel zum Eurovision Song Contest 
Ermittler der Spurensicherung der Polizei durchsuchen in Kiel ein ehemaliges Trafohaus auf dem Gelände einer Kfz-Werkstatt.
Einsatz gegen Rockerbande 

Video