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Blood Red Shoes Album "Fire Like This": Leicht und blutig

Wie von jeder guten Legende gibt es auch von dieser mindestens zwei Versionen. Einmal heißt es, Blood Red Shoes hätten sich aus Bewunderung für Ginger Rogers so benannt. Von Thomas Winkler

Können auch ganz zurückhaltend wirken: Steven Ansell und Laura-Mary Carter.
Können auch ganz zurückhaltend wirken: Steven Ansell und Laura-Mary Carter.
Foto: City Slang

Wie von jeder guten Legende gibt es auch von dieser mindestens zwei Versionen. Einmal heißt es, Blood Red Shoes hätten sich aus Bewunderung für Ginger Rogers so benannt. Die legendäre Tänzerin habe eines Tages so lange geübt, bis ihre Schuhe vom Blut verfärbt waren. Die etwas profanere Ausgabe der Gründungsgeschichte des Duos aus Brighton: Als sich Steven Ansell and Laura-Mary Carter erstmals begegneten, da trugen sie beide rote Schuhe.

Da sich diese Gründungsmythen nicht gegenseitig ausschließen, gehen wir mal davon aus, dass sie beide wahr sind. Was nicht weiter wichtig wäre. Aber Blood Red Shoes sind, darauf legen sie Wert, eine Rock´n´Roll-Band. Und da geht´s dann doch um Wahrhaftigkeit, Blut, Schweiß und Tränen. Und darum, den Gitarrenverstärker möglichst weit aufzudrehen, so wie auf ihrem zweiten Album "Fire Like This".

Diese Gitarre ballert nun ziemlich humorlos vor sich hin. Unterstützt von einem knochentrockenen Schlagzeug und verziert mit unverschämt eingängigen Refrains wirken die Songs von "Fire Like This" wie die Folge einer Überdosis Testosteron. Es ist unüberhörbar: Carter und Ansell wollen beweisen, dass der immer noch gut geölte Reflex, der ein gemischt geschlechtliches Duo sofort in die Pop-Ecke verbannt, bei ihnen völlig unangebracht ist.

Zwei Leute und so viel Lärm

Diesem Vorurteil, das die beiden anlässlich ihres Debüts "Box of Secrets" durch eine gewisse Sorglosigkeit in der visuellen Präsentation und vor allem durch ein allzu blendendes Aussehen auch noch bestärkten, treten sie nun programmatisch entgegen: Nein, brüllt "Fire Like This" mit Urgewalt, Blood Red Shoes sind nicht eines dieser netten, harmlosen Indie-Pop-Duos, sie sind nicht Beach House, nicht die Dresden Dolls und auch nicht The Kills. Eher sind sie etwas wie The White Stripes. Bloß ohne den Blues. Und mit vertauschten Rollen. Frau Carter prügelt ihre Gitarre, Herr Ansell sitzt am Schlagzeug. Den Gesang teilt man sich. Es ist verblüffend, was für einen Lärm zwei Leute machen können, wenn sich an Vorbildern wie Nirvana oder Babes in Toyland oder Queens Of The Stone Age orientieren. Nicht dass man zu dieser Musik nicht tanzen könnte, aber lieber stünde man wohl in einer Stadionkurve und reckte, den Kehrreim grölend, die Faust im Takt.

Diese wohl denkbar kleinste Form des Produktionsmodells Rockband nutzen Blood Red Shoes wirkungsvoll aus. Denn trotz aller archaischen Kraft und spartanischen Instrumentierung gelingt es ihnen, dem Material Glamour abzutrotzen. Zum einen, weil ihr Gespür für eingängige Melodien seinesgleichen sucht, vor allem aber, weil ihre Rockmusik immer kurz vorm Heavy-Metal-Sumpf zum Stehen kommt. Es sind zwar schwere Gitarrenriffs, die Carter aus ihrem Sechssaiter quält, aber sie tänzeln mit erstaunlicher Leichtigkeit. Wie Ginger Rogers, der sanft das Blut in den Schuh sickert.

Autor:  Thomas Winkler
Datum:  27 | 2 | 2010
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