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Buchmesse-Skandal: Auswärtiges Amt ohne Meinung

Das Ministerium schweigt zum Skandal um die chinesischen Dissidenten bei der Frankfurter Buchmesse: Erst hatte man der FR eine Auskunft zugesagt, dann hieß es plötzlich, das sei nicht möglich.

Peter Ripken (rechts) empfängt Bei Ling (links) und Dai Qing (Mitte) beim Symposion zur Vorbereitung der Buchmesse. Das Lachen täuscht, die Buchmesse hatte die Dissidenten eigentlich ausgeladen.
Peter Ripken (rechts) empfängt Bei Ling (links) und Dai Qing (Mitte) beim Symposion zur Vorbereitung der Buchmesse. Das Lachen täuscht, die Buchmesse hatte die Dissidenten eigentlich ausgeladen.
Foto: dpa

Herbert Wiesner, Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland, findet den Vorgang nur noch unmöglich: Offensichtlich war den chinesischen Dissidenten Dai Qing und Bei Ling bei einem Abschlussempfang der Frankfurter Buchmesse aufgrund mangelhafter Absprachen, quasi aus Versehen, im letzten Moment das Wort entzogen worden. Die beiden wären beim Verlags-Einladungsprogramm auch wirklich fehl am Platz gewesen, aber die Einladungen waren nun einmal ausgesprochen worden.

"Erst verschafft der PEN den beiden Rederecht, und im Nachhinein legt man ihnen das aus, als seien sie darauf aus gewesen, von der Medienaufmerksamkeit zu profitieren", sagt Wiesner der FR: Ihnen sei das Gefühl vermittelt worden, Störenfriede zu sein. Was noch schwerer wiege, sei der Umstand, dass hochbezahlte Kräfte mit vielfachen Erfahrungen bei internationalen Treffen involviert gewesen seien: Peter Ripken, zu dem Zeitpunkt Leiter des Internationalen Zentrums der Messe und der dekorierte Diplomat Max Maldacker, Referatsleiter im Auswärtigen Amt .

Das Ministerium schweigt dazu äußerst beredt: Erst hatte man der FR eine Auskunft zugesagt, dann hieß es plötzlich, das sei nicht möglich. Der Abteilungsleiter des Pressereferates Jens Plötner sei nicht mehr im Amt und außerdem schon auf dem Weg zu seinem neuen Arbeitsplatz auf Sri Lanka. "Einen neuen Pressesprecher gibt es derzeit leider nicht", heißt es kühl. Regierungswechsel, so ein Pech. Nicht besonders angemessen für eine Demokratie, die sich für gewöhnlich gerne der Menschenrechte und darunter vor allem der Meinungsfreiheit bedient, um die Volksrepublik China zu kritisieren.

"So kann man nicht mit Menschen umgehen", wettert Wiesner weiter. Doch die Crème der deutschen Diplomatie, die findet das schon. Abtauchen heißt die Devise. Die Ironie daran ist, dass diese Haltung sie stärker in die Nähe der arroganten Parteifunktionäre in Peking rückt, als sie sich je erträumt hätten.

Autor:  Natalie Soondrum
Datum:  23 | 10 | 2009
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