Man weiß nicht recht, warum die Knights sich diesen kühnen Namen gegeben haben, denn es handelt sich um ein durchaus dem 20. Jahrhundert zugewandtes orchestrales Ensemble. Sie können wunderbar mit tiefen Tönen schrummeln, glissandieren und mit Pausen rhythmische Akzente setzen. Das tun sie ganz besonders in Kyle Sannas Arrangement von Jimi Hendrix' "Machine Gun". Es ist beileibe nicht die erste an die Klangeigenschaften von E-Musik angelehnte Fassung von Hendrix' Musik, aber es ist bis dato die gelungenste. Sie vernachlässigt weder das harmonisch Triviale noch das klanglich Avantgardistische, und wie Jan Vogler Hendrix-Cello spielt, das ist überaus hörenswert.
Ohne Hendrix wäre die CD fast ein reines Schostakowitsch-Album. Das Prunkstück darauf ist das Es-Dur-Konzert Nr. 1 für Cello und Orchester, wiederum mit Jan Vogler als Solist. Die Knights unter Eric Jacobsen lassen Schostakowitsch dabei keine Chance zu avantgardistischer Sprödigkeit, sie wählen einen sehr farbigen, manchmal fast schwelgerischen Zugang zu der Musik, was hörbar ganz im Sinne Voglers ist.
Eingebettet ist das alles in eine Sammlung von Walzern Schostakowitschs, die zum Teil aus filmmusikalischen Kontexten stammen und einen Blick ermöglichen, der das Plastische und Gebrauchsmusikalische an Schostakowitsch betont. Hendrix ist dann nur noch eine Überspitzung dieser Tendenz. Dass die CD live eingespielt ist, verstärkt den Eindruck von effektvoller Frische. H.L.
Jan Vogler & the Knights Live from New York: Experience. Sony.