Noch keine Minute alt ist "Mr. Lucky", sein erstes Album nach langer Sendepause, da befindet sich Chris Isaak bereits wieder auf vertrautem Terrain. "I Got A Broken Heart", singt, fleht, jammert er. Das Herzelein gebrochen, alter Kumpel Chris? Das ist ja mal eine Nachricht mit Neuigkeitswert.
Nun, Überraschungen hat Isaak wahrlich nicht im Tornister. Er sieht mit angedeuteter Haartolle immer noch aus wie ein Westentaschen-Elvis, verströmt auch im Alter von 52 Jahren einen unverschämt jungenhaften Charme, und spielt genau diesen leicht verdaulichen Country-Pop, mit dem er in den frühen neunziger Jahren weltweit bekannt geworden ist. "Mr. Lucky" nun umgibt die Aura einer morgens im Briefkasten gefundenen Postkarte, die einem eine längst vergessene Urlaubsbekanntschaft zurück ins Gedächtnis ruft: Nein, scheint uns Isaak mit diesem Album sagen zu wollen, unbedingt dringlich war das jetzt nicht, aber ich dachte, ich lass einmal wieder was von mir hören.
Chris Isaak: Mr. Lucky. Warner.
Dabei könnte man diese wie nebenbei hingeworfene Fingerübung durchaus als Comeback interpretieren. Schließlich hat Isaak sieben lange Jahre, also ungefähr viereinhalb Ewigkeiten im Popgeschäft, musikalisch kaum etwas von sich hören lassen. Seit "Always Got Tonight", seinem letzten Album mit neuem Eigenmaterial von 2002, hatte er nur eine Best-of-Compilation und eine Sammlung von Weihnachtsliedern heraus gebracht. Stattdessen widmete sich der Sohn eines kalifornischen Gabelstaplerfahrers vermehrt einer zweiten Karriere als Schauspieler, spielte in einigen Filmen, einer eigenen Comedy-Serie und anderen Fernsehprojekten.
Fast schon eine Parodie
Nun aber, das beweist "Mr. Lucky", befindet sich Isaak wieder in seiner angestammten Komfortzone. Zwar kann er auch unbeschwert: "Mr. Lonely Man" ist der mit einer vergleichsweise kreischenden Gitarre ausgestattete Versuch, mal ein bisschen aggressiver zu werden. Und "We've Got Tomorrow", eine leichtfertige Country-Nummer, klingt beinahe wie eine Parodie aufs Genre. Aber immer wieder, so in "You Don't Cry Like I Do" oder "I Lose My Heart", lässt sich Isaak widerstandslos von dem selbst angerührten Kitsch übermannen.
Allerdings: Einem Chris Isaak überbordendes Pathos vorzuwerfen, ist ungefähr genauso sinnvoll wie dem Papst zur Last zu legen, er sei katholisch. In Chris' Welt sind die Mädchen eben hübsch, die Männer verliebt, und die Welt ist wundervoll. Oder die Mädchen sind fies, die Männer verlassen, und die Welt ist nur mit einem kräftigen Drink zu ertragen. Die Grautöne aber sind auf der Palette von Isaak lange schon eingetrocknet.
Diese zur Dauerpose erstarrte Gefühligkeit ist so lange zu ertragen, wie sie stilsicher und melodisch stimmig daherkommt. Also so wie in den älteren Hits, allen voran dem heute noch verführerisch wehklagenden "Wicked Game". Solche zeitlosen Momente allerdings sucht man auf "Mr. Lucky" vergebens.
Im besten Falle, in "Breaking Apart", einem Duett mit Country-Star Trisha Yearwood, liefert Isaak solide gefühlsechtes Handwerk. Andere Songs aber, so das angemessen einfallslos betitelte und eigentlich als herzerweichende Ballade angelegte "Baby Baby", verrutschen zur belanglosen Kuschelnummer. Nicht nur hier entpuppt sich die Isaaksche Dramatik als zwar pompös glitzernde, aber emotional entleerte Hülle ihrer selbst. Aber auch das ist ja nicht wirklich überraschend.