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Musik

17. Dezember 2012

Chor aus Antakya: Quietschtöne der Harmonie

 Von Astrid Kaminski

Neben der EU war auch ein Chor aus der türkischen Großstadt Antakya für den Friedensnobelpreis nominiert. Auf seiner Deutschlandtournee macht er im Haus der Kulturen der Welt Station.

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Berlin –  

Unter den 231 Nominierten für den diesjährigen Friedensnobelpreis war nicht nur die EU, sondern auch ein Chor aus Antakya, einer türkischen Großstadt in der Provinz Hatay, kurz vor der Grenze zu Syrien. Antakya ist eine äußerlich unattraktive Stadt. Aber sie hat es geschafft, ein Markenzeichen für sich zu prägen, das heute wieder genauso hoch gehandelt wird wie zu Zeiten Nathans des Weisen. Die Stadt steht als Geheimtipp für religiösen Dialog. Es leben und praktizieren dort alevitische, sunnitische, jüdische, katholische und christlich orthodoxe Gemeinden friedlich, wie immer betont wird, neben- und sogar miteinander. Repräsentativ dafür steht der „Chor der Zivilisationen“, ein Chor, der damit wirbt, drei Religionen und sechs Konfessionen zu vertreten, und es also bis zur Nominierung für den Friedensnobelpreis geschafft hat.

Was die interreligiöse Ökumene angeht, ist diese Institution tatsächlich nicht nur für die Türkei außergewöhnlich. Was die Kabaretteinlagen des Chorleiters angeht, genau- so wenig. Und so ist der Chor seit einigen Jahren auch eine europäische Attraktion. Auf der Mitte seiner Deutschlandtournee machte er jetzt im Haus der Kulturen der Welt Station.

Lanciert wurde der Abend von dem in Planung begriffenen interreligiösen Bet- und Lehrhaus Petriplatz Berlin e. V., organisiert durch das Forum für interkulturellen Dialog e. V., die Vertretung der sogenannten Gülen-Bewegung, die gleichzeitig Gründungsmitglied des Projekts Petriplatz ist. Klaus Wowereit übernahm die Schirmherrschaft, André Schmitz ließ grüßen, die Polizeivizepräsidentin und der türkische Botschafter waren gar vor Ort, ebenso wie neben Ercan Karakoyun von der Gülen-Bewegung auch Roland Stolte als evangelischer Grußredner und Rabbi Tovia Ben-Chorin als jüdischer Grußredner. Letzterer stellte sich neben dem knapp am Tanzeinsatz vorbeigeschrammten Botschafter als begabter Stimmungsmacher vor, da konnte selbst die Grußansage, Freiheit für das jüdische Volk müsse notfalls auch mit Waffengewalt erkämpft werden, die Freude nicht trüben.

Genauso wenig wie bellende Synthesizer und die sehr toleranzbedürftigen Arrangements des knapp über Niveau einer ungeölten Kirchengemeinde gebotenen, einstimmigen Chorgesangs. Es soll den Religionsvertretern hier sicher nicht die Partystimmung verdorben werden, aber aus kultureller Sicht stellten sich bei dieser Gebetsliederdisko existenzielle Fragen: Ist die heilige Trinitas Allah, JHWH und Gott altersschwerhörig geworden oder einfach nur unmusikalisch? Und ist zur Sanierung Ostanatoliens höhere musikalische Gewalt in jedem Fall zu rechtfertigen?

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