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Musik

03. Januar 2016

Coldplay: Der Trennungsschmerz des Musikers

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Der Mann möchte Spaß machen: Chris Martin von Coldplay.  Foto: REUTERS

Das neue Coldplay-Album ist optisch wie musikalisch bunter als sein Vorgänger: Aber es reißt den Hörer stellenweise auch hin und her: Ist das Musik zum Trübsalblasen oder zum Hoffnung schöpfen?

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Verrenne ich mich gerade? Bin ich womöglich ein Affe? Löse ich mit einer flapsigen Äußerung etwas ganz Unangenehmes aus? Fragen, die man sich immer wieder mal stellen sollte, besonders aber im Zusammenhang mit der Rezension eines neuen Coldplay-Albums.

Coldplay: mega-erfolgreiche britische Popgruppe, seit 1996 zusammen, seit 2000 ständig irgendwo in den Charts. Hits, Hits, Hits. „Yellow“, „Speed Of Sound“, „Viva La Vida“, „Talk“, „Paradise“, „Magic“, „A Sky Full Of Stars“.

Schlimm und richtig schlimm

Voriges Jahr veröffentlichte die Band ihr sechstes Studioalbum „Ghost Stories“. Zuvor hatten sich der Coldplay-Sänger Chris Martin und seine Frau Gwyneth Paltrow, die Schauspielerin, getrennt. Das verarbeitete er aufwendig in seinen Liedern. Und was schrieb der FR-Rezensent? Das sei schlimm, also schon richtig, richtig schlimm, aber nicht so schlimm, als hätten sich beispielsweise Kermit und Miss Piggy getrennt.

Wer in jüngerer Zeit die Nachrichten verfolgt hat, dem wird nicht entgangen sein, dass sich Kermit und Miss Piggy getrennt haben. Ist das nicht furchtbar? Jetzt sagen Sie womöglich: schon furchtbar, also richtig, richtig furchtbar, aber doch nicht annähernd so furchtbar, als hätten sich beispielsweise Prinzessin Kate und – stop! Im Übrigen hatte sich Chris Martin zu dem Zeitpunkt, da der FR-Rezensent gerade weinend über dem 2014er Trennungsalbum lag, schon längst mit Jennifer Lawrence, der Schauspielerin, getröstet, wie die interessierte Öffentlichkeit bald erfuhr.

So viel zum Gefühlsschmerz der Popmusiker von heute. Aus dem Album, aus dem Sinn. Und damit zu „A Head Full Of Dreams“, dem siebten Studioalbum von Coldplay. Es ist Winter, die Vögel zwitschern – ist das nun schön oder schon wieder zum Heulen? Fragen Sie Coldplay, und Sie werden keine eindeutige Antwort erhalten. Das neue Album ist optisch wie musikalisch bunter und leuchtender als „Ghost Stories“, aber es reißt dich stellenweise auch hin und her: Ist das Musik zum Trübsalblasen oder zum Hoffnung schöpfen? Ist am Ende wieder etwas drin, das du erst Jahre später als Zitat erkennst, so wie einst die Melodie aus „Computerliebe“ von Kraftwerk in „Talk“ von Coldplay? Oder ist es letztlich doch wieder Musik, die keinem wehtut, aber auch keinen aus dem Bürostuhl fetzt?

Drin ist jedenfalls die Stimme von Gwyneth Paltrow, die ein Duett mit ihrem Ex singt („Everglow“), drin sind ganz viele Kinderstimmen, drin ist ein Gitarrenbeitrag von Noel Gallagher, drin ist sogar die Stimme von Barack Obama, wie er spricht und singt. Drin ist auch wieder ganz viel von Chris Martins besonderer Klangfarbe, dieser schönen, beruhigenden, freundlichen Stimme. Und dann folgen plötzlich völlig unverständliche Elektro-Einsprengsel oder Disco-Gedudel wie in der Auskopplung „Adventure Of A Lifetime“, im offiziellen Video gesungen und getanzt von animierten Affen.

Zugegeben, das ist schon ausgesprochen witzig, das mit den Affen. Aber wer hat schon die Zeit, sich immer zu allem die entsprechenden Affen anzuschauen, die es rausreißen?

Coldplay: A Head Full Of Dreams. Parlophone.

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