kalaydo.de Anzeigen

Das Echo des Wohlklangs

Das Hilliard-Ensemble in Kloster Eberbach

Gerade hat man sich noch gewundert über den Tisch, der hier im Kloster Eberbach als Bühne dient, da nimmt schon der Gesang gefangen. Selbst das Echo in der weiten Basilika stört nicht, es gibt dem Liedgesang einen nicht unpassenden pathetischen Nachhall. Um diese Musik zu verstehen, muss man die Texte der Lieder nicht kennen. Gesungen wird in Armenisch, Altgriechisch oder Kirchenslawisch - aber dem meditativen Sog der Musik und dem Wohlklang der vier Hilliard-Stimmen verfällt man sofort.

Mit der Eindringlichkeit eines Gregorianischen Chorals erklingt "...here in hiding..." - geschrieben wurde die Motette von dem 1959 geborenen James MacMillan, der auf einen Text Thomas von Aquins zurückgriff. Es ist die erste von fünf Kompositionen des Abends, die für die Hilliards entstanden. Anhänger haben die vier Sänger weit über das Klassik-Lager hinaus, hierzulande wurden sie bekannt durch ihre Zusammenarbeit mit Jan Garbarek, aber auch durch die Interpretation der Werke Arvo Pärts.

Von Pärt stammt auch das jüngste Werk des Abends: "Holy Mother of God", ein vierstimmiger Kanon, so schlicht wie eindringlich. Ambitionierter und vielschichtiger ist das fünfteilige "Praise": Ein Hymnus aus der russisch-orthodoxen Kirche, den Alexander Raskatov eng an die Tradition der slawischen Volksmusik angelehnt, dem er aber durchaus Ecken und Kanten verliehen hat.

"Arkhangelos", Erzengel heißt das ambitionierte Programm, mit dem die Hilliards einmal mehr auch ihre Fähigkeiten als Musikarchäologen unter Beweis stellen. Mit spielerischer Leichtigkeit vermischen die Engländer liturgische Gesänge aus Armenien und Griechenland mit spätmittelalterlichen aus Italien und England. Wenig von dem, was hier erklingt, ist authentisch überliefert. Die ältesten Stücke, sogenannte Sharakans aus Armenien, gehen zurück auf die Frühzeit des Christentums, sie wurden nach alten Quellen erst im ausgehenden 19. Jahrhundert aufgezeichnet. Die Melodien stammen von armenischen Bardengesängen, gesammelt wurden sie von dem Priester und Kirchenmusikforscher Komitas.

So stehen vier schlicht gekleidete Herren vor einem verblüfften Publikum und aus ihren Kehlen strömen orientalische Klänge. Jeder für sich sind sie exquisite Sänger, der Countertenor David James etwa oder der Bariton Gordon Jones. Ihre so eigene Qualität aber erhält die Musik, wenn die eigenwilligen Stimmen der beiden mit den biegsamen Mittelstimmen von Steven Harrold und Rogers Covey-Crump zu eindringlichem Vielklang verschmelzen.

Autor:  GERD DÖRING
Datum:  15 | 8 | 2008
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
TV

Gestern ferngesehen? Wir auch! Diskutieren Sie mit!

Meistgeklickt
Das DFB-Bundesgericht mit dem Vorsitzenden Goetz Eilers hat entschieden: Das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC wird nicht wiederholt.
Kein Wiederholungsspiel zwischen Düsseldorf und Berlin 
Diese Schilddrüse ist eindeutig krank.
Skandal am Klinikum Hildesheim 
        

Petra Roth spricht über das Buch, das Matthias Arning (rechts) geschrieben hat.
Petra Roth 
 Mely Kiyak
Kolumne zum neuen Umweltminister 

Video