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Musik

11. Februar 2016

Das London Symphony Orchestra in der Alten Oper: Der zarte Kobold

 Von 
Sir John Eliot Gardiner in Frankfurt.  Foto: Tibor Pluto / Alte Oper Frankfurt

Ein Hörspiel mit viel Musik: „Ein Sommernachtstraum“ mit John Eliot Gardiner und Bruno Ganz in Frankfurt.

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In den mehrjährigen William-Shakespeare-Jubel, der mit den Feiern zum 450. Geburtstag 2014 begann und mit dem 400. Todestag im April kaum enden wird, gehörte schon einmal ein Frankfurter „Sommernachtstraum“-Konzert mit Text. Zu Felix Mendelssohn Bartholdys Musik huschte im Museumskonzert vor einem Jahr allerliebst und sehr puckartig der Schauspieler Sascha Nathan durch den Großen Saal der Alten Oper. Diesmal übernahm Bruno Ganz das Rezitieren und er war zwar nicht so lustig angezogen, aber dafür war er viele. Der deprimierte Lysander („So schnell verdunkelt sich des Glückes Schein“) und die arg träumende Hermia, der subversiv koboldische Puck und der auch das Wirrwarr noch mit besonderem Behagen regierende Oberon.

Die Musik umschloss ihn dabei fast ganz und gar, harrte geduldig auf langen Tönen aus, damit er Zeit für seine Verse hatte. Sir John Eliot Gardiner als Dirigent und er waren im regen Blickkontakt, sie inszenierten ein Hörspiel mit viel Musik. Und sie inszenierten einen ungemein zärtlichen, melancholischen, also romantischen Shakespeare, über den das interessierte deutsche Publikum ja erst lernen musste, dass er nicht der einzige ist. Derzeit gibt es in Stuttgart Gelegenheit, sich in der „Fairy Queen“ (gleichfalls nach dem „Sommernachtstraum“) den ungezogenen Shakespeare anzuschauen.

Vorab in die Elfensphäre

Beim Konzert in der Alten Oper war es – jenseits des Schauspielers Ganz – ein britisches Team, das sich mit einiger Liebe auf das Shakespeare-Bild des deutschen 18. und 19. Jahrhundert einließ. Gardiners Monteverdi Choir war durch zwölf Sängerinnen vertreten, die mit Engelsgeduld (statt Elfenjokus) auf ihre kurzen Auftritte warteten. Die Solistinnen aus den eigenen Reihen: makellos. Selbst sie sangen höflich auf Deutsch, obwohl gegen das Englische wirklich nichts einzuwenden gewesen wäre, eigentlich im Gegenteil. Das London Symphony Orchestra nahm dabei sympathisch und sympathisierend die Rolle des völlig überqualifizierten, dabei milde und rücksichtsvoll gestimmten Begleiters ein: noch in der Vehemenz zartfühlend, so bei den Eselsrufen, die seidig flitschten, oder beim Hochzeitsmarsch, der galant blieb. Gardiner dirigierte und organisierte als Gentleman und Zeremonienmeister die Elfen-, Kobold- und Musiker-Schar.

Vor der Schauspielmusik, die – das erwähnte Museumskonzert 2015 war eine Ausnahme – wie meist nicht vollständig gespielt wurde, gab es sehr passend die 1. Sinfonie des seinerzeit 15 Jahre alten Mendelssohn Bartholdy. Er selbst schob später an die Stelle des 3. Satzes das orchestrierte Scherzo aus seinem Oktett op. 20, in dessen Zentrum sich kurz, aber deutlich eine wahrlich sphärenhafte Elfenmusik findet.

Geiger und Bratschisten standen für diesen ersten Teil, was ihm ein bisschen mehr Bewegtheit gab. Dass aber höchste Disziplin das erste Gebot der perfekten Elfenmusiker ist, war die ganze Zeit über klar.

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