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Bilanz: Das Sterben auf dem Lande

Die Umsätze der deutschen Kinos laden zum Frohlocken ein, so gut sind sie. Ein Geschmäckle gibt es trotzdem: Den Kinos geht es eigentlich schlechter.

Die Filmförderungsanstalt in Berlin garniert ihre Statistiken gerne mit Erfolgsmeldungen. Angesichts eines Rekordumsatzes von 443 Millionen Euro im ersten Halbjahr hat FFA-Chef Peter Dinges in der Tat Grund zum Jubeln. Zum vierten Mal in Folge legten die Erlöse zu. Bei näherer Betrachtung zeigt die Zwischenbilanz aber Merkmale einer Krise.

Die Zahl der Kinobesucher nämlich ist bis Ende Juni deutlich geschrumpft, exakt um 4,5 Millionen auf gut 60 Millionen. Dafür macht Dinges auch die Fußball-WM und das schöne Wetter verantwortlich. Das Umsatzplus verdankt die Branche allein dem 3D-Boom. Unter den 486 Filmen, die neu in den Kinos liefen, waren zwar nur 14 dreidimensionale Produktionen. Doch das neue Seherlebnis lockte die Neugierigen scharenweise in Filme wie „Für immer Shrek“ – trotz kräftiger Aufpreise.

Jeder sechste Kinogast zahlte im ersten Halbjahr für eine 3D-Vorstellung, die meist zwei bis drei Euro mehr kostet. Das lässt die Eintrittspreise so stark steigen wie nie. Im Schnitt kostet eine Karte 7,34 Euro, das sind 85 Cent mehr als noch ein Jahr zuvor. Trotz Wirtschaftskrise waren aber offenbar viele Kinofans bereit, auch diese Preise noch zu bezahlen. In den USA dagegen bröckeln die 3D-Anteile bereits wieder etwas.

Für die Kinobetreiber bedeutet die Umrüstung auf digitale Technik jedenfalls eine große Investition. Kritiker warnen seit langem, dass der 3D-Boom das Kinosterben und die Konzentration beschleunigen könnte, zumal die Branche vergeblich jahrelang mit der Politik um Fördermodelle rang. Die neuen Zahlen scheinen die Skeptiker nun zu bestätigen.

Die Zahl der Kinos, Säle und Standorte jedenfalls ging im ersten Halbjahr so rasant zurück wie selten zuvor. 31 Spielstätten verschwanden, gut 1700 sind nun noch übrig. Besonders trifft das Kinosterben ländliche Regionen. Lange Zeit gab es in mehr als tausend deutschen Kommunen zumindest noch ein Filmtheater. Voriges Jahr sank diese Zahl erstmals deutlich auf nur noch 985. Ende Juni zählte die FFA nur noch 957 Kinostandorte. Die Filmförderer vermuten auch Nachfolgeprobleme beim Generationenwechsel in mittelständischen Familienbetrieben. Die Ursachen sollen nun mit einer Studie näher erforscht werden.

Fürs Gesamtjahr ist FFA-Chef Dinges „verhalten optimistisch“. Der erste deutsche 3D-Film „Die Konferenz der Tiere“, die Fortsetzung der Harry-Potter-Saga und die neuen Filme von Otto Walkes („Otto’s Eleven“) und von Tom Tykwer („Drei“) sollen die Kinokassen füllen.

Autor:  Thomas Wüpper
Datum:  23 | 8 | 2010
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