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Musik

11. Januar 2016

David Bowie: Macht der Musik, Musik der Macht

 Von 
David Bowie bei einem Konzert in Wien - 1996.  Foto: rtr

Seit Clinton und Schröder hatte die Rock-Generation die Spitzenplätze der Macht erreicht – kein Wunder, dass der Tod von David Bowie von höchster Stelle betrauert wird. Auch in Deutschland melden sich viele Politiker – über Generationen hinweg, aber nicht aus allen Lagern.

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In Großbritannien ist der Tod eines solchen Nationalhelden natürlich Chefsache: Schon am Morgen reagierte Premierminister David Cameron, 49 und immerhin Konservativer, auf die Meldung, dass David Bowie verstorben ist.

„Seit meiner Kindheit höre und sehe ich mir das Pop-Genie David Bowie an”, schrieb er auf Twitter. „Er war ein Meister darin, sich neu zu erfinden und dabei immer wieder richtig lag.“ Ob darin Anspielungen auf Camerons eigene Wandlungen vom Konservativen zum Freund der Liberalen und zurück enthalten sind, muss die Downing-Street-Astrologie entscheiden.

In Deutschland hat diesen ersten politischen Nachruf eine ebenfalls konservative, aber jüngere Spitzenpolitikerin retweetet: Dorothee Bär, 37, einst Internet- und Jugendlichkeits-Vorzeigefrau der CSU, heute Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium. Ob Bowies Tod sie selbst umtreibt, erfährt man nicht.

Das ist im rot-grünen Lager ganz anders. Etliche Politiker bekundeten ihre Betroffenheit, darunter ein Bundesminister, ein Parteichef und etliche Bundestagsabgeordnete. An den Zitaten und Songs, die ihnen in den Sinn kamen, zeigt sich zweierlei: Bowie vereinte Generationen. Und er packte Lebensweisheiten ins seine Texte, die auch beim Weg in und durch die Politik zu helfen scheinen.

„Ich weiß nicht, wie ich von hier an weitermache“, zitierte etwa Justizminister Heiko Maas (SPD), 49, die Pop-Ikone, „aber ich verspreche, es wird nicht langweilig.“ Der Interviewsatz von seinem 50. Geburtstag trifft eben nicht nur auf Bowies Karriere, sondern auch auf die schnelllebige Welt eines Ministers zu, in guten wie in schlechten Zeiten.

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Damit ist Maas das ranghöchste deutsche Regierungsmitglied, das sich bis zum Nachmittag als Fan outet. Denn weder der frühere Popbeauftrage und heutige Chef der SPD, Sigmar Gabriel, noch Regierungssprecher Steffen Seibert, der die Kanzlerin jüngst noch zum YouTube-Star LeFloid geschickt hatte, äußerten sich. Dafür wird ein weiterer Staatssekretär persönlich: „Space Oddity und viele andere Songs haben mir so viel gegeben“, bekennt der Europa-Chef im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD). „Ein ganz Großer ist gegangen!“

An das einsame Weltraum-Drama denkt bezeichnenderweise auch Cem Özdemir, 50, zuerst: „Grüße an Major Tom!“, twitterte der Grünen-Chef. „Auch Berlin wird dich in Ehren halten.“ Und auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Oliver Kaczmarek, 45, aus Unna schreibt in Anspielung auf Bowies Jahre in der geteilten Mauerstadt: „Ein genialer Künstler, für immer mit Berlin verbunden!“

Doch auch jüngere Politiker trauern um den mit 69 Jahren Verstorbenen: „Rebel Rebel, how could they know? Hot tramp, I love you so“, zitiert der 30 Jahre alte Grüne Sven-Christian Kindler aus Bowies Hit von 1974. „Wie konnte man das wissen?“, lässt sich dabei nicht nur auf den überraschenden Tod Bowies beziehen, sondern auch auf den Grünen selbst: Dass im ehrgeizigen Zahlenfuchs Kindler, der binnen weniger Jahre vom jüngsten Grünen im Bundestag zum haushaltspolitischen Sprecher aufstieg, ein Rebell steckt, wussten nur enge Freunde.

So offenbart Bowies Tod neue Einblicke in die Politik, zum Beispiel auch, wie manche Fraktion so in ihre Arbeit startet: Am Montag begannen jedenfalls sowohl Sachsens Landesverband der Linken, als auch die Thüringer Grünen ihren Tag „mit einer Hommage an David Bowie“. Und die Europa-Gruppe der Grünen meldete sich mit einem Zitat aus „Heroes“: „We could steal time, just for one day“. Zeit stehlen, um Helden zu sein: Wann, wenn nicht an einem solchen Tag?

David Bowie ist tot

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