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23. November 2012

Deep Purple in Frankfurt: Rock mit Druck

 Von Daland Segler
Sänger Ian Gillian und Gitarrist Steve Morse gehören noch lange nicht zum alten Eisen.  Foto: peter-juelich.com

Lebenslanges Üben bringt doch so seine Vorteile mit sich. Das zeigte jetzt wieder in Frankfurts Festhalle eine dieser Rentnerbands, die seit bald einem halben Jahrhundert die Konzertsäle unsicher machen: Deep Purple.

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Lebenslanges Üben bringt doch so seine Vorteile mit sich. Das zeigte jetzt wieder in Frankfurts Festhalle eine dieser Rentnerbands, die seit bald einem halben Jahrhundert die Konzertsäle unsicher machen: Deep Purple.

Die Herren Ian Gillan, 67, Ian Paice, 64, Roger Glover, demnächst 67, Don Airey, 64, und ihr Jungspund Steve Morse, 58, bewiesen, dass man auch in einem Alter, in dem andere sich zur Ruhe setzen, noch richtig einen drauf machen und es den Jungen (etwa dieser Vorgruppe Edguy) zeigen kann: „Deep Purple in Rock“ hieß die LP, mit der sie 1970 ihren Durchbruch hatten, und der Titel gilt heute vielleicht mehr denn je für ihre Musik, zumal die technischen Möglichkeiten bessere Bedingungen für diesen Rock mit Druck bieten: Der Sound war schön klar, dabei nicht einmal überwältigend laut.
Aber vor allem verlässt sich diese Versammlung von herausragenden Instrumentalisten zugleich auf die Wirkung des Kollektivs und zeigt dabei diplomatisches, weil aus Erfahrung gespeistes Geschick: Jeder darf mal sein Können ausstellen, und das ohne größere Rücksicht auf die Linie eines Songs. So gelingt Ian Paice, wahrlich kein Dreschflegel, ein elegantes Solo. Auch Bassist Roger Glover, eher ein Laut-Maler als ein Virtuose, aber bei den ständigen Tempowechseln absolut solides Rückgrat der Musik, darf am Ende nochmal.
Den beiden Musikern aber, die damals „in Rock“ nicht dabei waren, wird ein größerer Anteil am Auftritt zugestanden, als dergleichen etwa noch zu Zeiten von Gitarrist Ritchie Blackmore üblich war. Da kann Keyboarder Don Airey dem Lichtgewitter der gefühlt fünf Millionen Scheinwerfer in der Halle mit seiner Orgel Konkurrenz machen und kurz einen Teufelsritt von Bach zu Bomberattacken in wenigen Takten hinlegen. Gitarrist Steve Morse hingegen wählt für sein Solo die ruhige Variante, sein phänomenales Spiel um den zwölften Bund herum weicht hier einer fast lyrisch zu nennenden Mehrstimmigkeit.

Die Herren denken auch an morgen

Aber dann machen sie wieder melodiösen Krach, und das offenbar mit Lust und Laune; tatsächlich wirkt dieser Auftritt nie so, als sei die Gruppe gerade auf einer stressigen Tournee, und nur am verhältnismäßig sparsamen Einsatz von Sänger Ian Gillan ist zu erkennen, dass die Herren auch an morgen denken. Weise verzichten sie deshalb auf das Feuerzeuge strapazierende „Child in Time“ (ohnehin haben ja heute die Handys die kleinen Flammen ersetzt), aber ein paar Mal versucht sich Gillan noch an seinem Markenzeichen, diesem Schrei eines todwunden Wolfes (oder eines soeben von einem solchen Verspeisten...).


Zur Souveränität im Umgang mit der eigenen Geschichte gehört auch, dass sie in ihren „Speed King“ ein kleines Elvis-Reminiszenz-Potpourri einbauen und als eine Zugabe den Song spielen, bei dem sie (außer Paice) noch gar nicht dabei waren: „Hush“. Hübsche Ironie, dass diese Rockband ihren ersten Hit mit einem Lied hatte, das „Psst!“ heißt. Zum Abschied wirft Paice seine Schlagstöcke und Morse dutzendweise Plektren ins begeisterte Publikum, das danach draußen am Messeturm von der „Smoke on the Water“-Version eines Straßenmusikers empfangen wird. Aber der wird noch mindestens zwei Leben lang üben müssen.

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