Die uralte japanische Trommel Taiko gilt den Trommlern von Yamato als Sitz der Gottheiten, weswegen man die Instrumente auch gut behandeln muss. Das heißt aber offensichtlich nicht sanft behandeln, schlugen die Trommler bei ihrer neuen Show „Matsuri“ doch immer wieder mit aller Kraft auf ihre Trommeln ein.
Fünf Frauen und fünf Männer gaben im proppenvollen Großen Saal der Alten Oper Frankfurt also ihren Gottheiten eins auf den Kopf. Mal sanft und spielerisch, mal energisch und fest, mit den unterschiedlichsten Stöcken und Klöppeln. Matsuri sind religiöse Feste in der ältesten japanischen Religion Shinto. So changierte der Abend zwischen religiösem Ritual und poppigem Spektakel. Immer wieder fand auch ein amüsantes Kräftemessen der Geschlechter statt. Rechts die Frauen, links die Männer, ihr Kommunikationsmittel: die Trommel.
Mit ihr animierten die seit 1993 bestehenden Drummers of Japan das Publikum zum Mitmachen. Bei allem Amüsement bewegten sich die Trommler mit ihren muskulösen Körpern und ihren klaren Bewegungsabläufen in ihrer kriegerischen Tracht wie Tänzer oder Jongleure, die um ihre Töne herum tanzten oder sie wie Flummis durch den Raum hüpfen ließen. Ihre hoch professionalisierte Performance spickten sie mit kleinen leichten Witzchen, so verbeugte sich ein Trommler zu Anfang, nicht zu Ende seines Solos.
Immer wieder dribbelten die Virtuosen mit den Händen über das Fell ihrer Trommeln, mal mit Schlägern, die aussahen wie Staubwedel, mal mit dicken roten Stäben, auf jeden Fall aber so lang, bis es Zwischenapplaus gab.
Beim zweiten Teil des Abends stand weniger der Spaß und mehr das durch das Trommeln verursachte gemeinsame ekstatische Erlebnis im Mittelpunkt. An manchen Stellen konnte man sich des Eindrucks eines nahenden kollektiven Orgasmus nicht erwehren. Schlaffe Klatscherei seitens des Publikums wurde nicht geduldet, und am Ende hatten die Drummers of Japan den Zuschauern nicht nur etwas von ihrem kraftvollen, fröhlichen Lebensgefühl vermittelt, sondern sie auch zum Stampfen, Schreien und Klatschen animiert. Nach Zugaben und standing ovations waren Performer und Zuschauer schließlich völlig leergetrommelt – und konnten glücklich von dannen ziehen.
Alte Oper Frankfurt: bis 22. August. www.alteoper.de