Seit dem 21. Oktober 2007 konnte man „Sir George“ zu ihm sagen, die Queen hatte ihn für seine Verdienste um die Kunst und die englisch-amerikanischen Beziehungen zum Ritter geschlagen. George Shearings Erstaunen darüber war nicht klein. Blind geboren im Londoner Stadtteil Battersea, hatte er sich das Klavierspielen weitgehend selbst beigebracht. Seine professionelle Karriere hatte in den dreißiger Jahren damit begonnen, dass er für fünf Pfund pro Woche in Clubs Klavier spielte, und eigentlich habe er, fand er später, zeit seines Lebens nichts anderes getan.
George Shearing hatte, nach Lehrjahren in England, 1947 die Reise nach New York angetreten. Sein Blockakkord-Sound, entstanden durch die Übertragung von Glenn-Miller-Arrangements auf kleinere Ensembles mit Klavier, war entwickelt. Mit einem Quintett nahm er 1949 für MGM „September in the Rain“ auf und hatte damit auch endlich kommerziellen Erfolg. Seine 1952 entstandene Komposition „Lullaby in Birdland“ wurde zum Jazz-Standard, und wahrscheinlich war diese Tatsache ein Ritterschlag, für den er weit empfänglicher war als für den hoheitlichen Akt Ihrer Majestät. Das Birdland am Broadway, zwischen der 52. und 53. Straße, war in den fünfziger Jahren der Club, in dem man gespielt haben musste, wenn man jemand sein wollte in der damals noch viel versprechenden Welt des Jazz, und George Shearing war jemand. Er nahm 1955 die US-Staatsbürgerschaft an und wurde einer der populärsten Musiker im Lande, gewann 1982 und 1983 je einen Grammy, wurde von drei Präsidenten – Ford, Carter, Reagan – zum Spielen ins Weiße Haus eingeladen und erhielt Ehrendoktorwürden in Hülle und Fülle. Im alten England spielte er zu seinem 80. Geburtstag im Jahre 1999 in der ausverkauften Birmingham Symphony Hall.
George Shearing starb mit 91 Jahren am Montag in New York an Herzversagen. (H.L.)