Kampf der Gefühle? Das schon, wenngleich: So viele verschiedene Gefühle sind es auch wieder nicht, die Annette Dasch in den Fokus ihres großen Arien-Abends in der Alten Oper stellt. Im wesentlichen geht es um die Liebe und ihre Derivate: banges Zagen, zorniges Klagen, schmerzvolles Schmachten, sehnsüchtiges Lauschen, bitteres Abwenden und was sonst noch vorkommt im Opernhorizont. Mozart ist der Großmeister dieses Fachs, weshalb er bei Annette Dasch den Schwerpunkt eines Programms bildet, das eine dramaturgische Idee erkennen lässt, aber auch ein Beharren auf gängigem Mainstream. Und nicht immer geht die Sache so aus, dass für ein oft gehörtes Stück ein neuer Maßstab gesetzt wird.
Annette Dasch und ihre Stimme bereiten keine großen Überraschungen. Die Intonation ist klar und schlank, sehr modulationsfähig und für allerlei Plötzlichkeiten gut gerüstet, die Artikulation fällt zuweilen etwas eigenwillig aus, und die Tongebung klingt oft etwas mühsam und eher nach guter Arbeit als nach intensivem Verströmen. Am ehesten bei sich und im souveränen Vollbesitz ihrer Ausdrucksfähigkeiten ist sie bei Haydns Armida-Arie "Se pietade, avete oh numi", auch Donna Elviras Arie aus dem zweiten Akt des Don Giovanni ist ein intensiv ausgesungenes Kleindrama, in dem sich auf engem Raum viel bewegt, aber bis dahin hat sie einen längeren Anlauf gebraucht.
Einen Anlauf, bei dem ihr Marc Piollet mit dem klein und fein besetzten Münchner Rundfunkorchester hilfreich zur Seite stand. Piollet geht zwei Mozart-Ouvertüren (zu "Lucio Silla" und zum Figaro) mit forschem Tempo an, was die Möglichkeit dramatischer Effekte erhöht, und eine abwechslungsreiche Dynamik liefert zusätzliche Wirkungen. Das Orchester spielt vorzüglich mit, gibt der Transparenz des Mozart-Klangs etwas Kristallin-Lupenhaftes und genügend verschiedene Brechungen für verschiedene Lichteffekte.
Und so konsequent das Programm des Abends an einer historischen Linie entlang gestaltet scheint, enthält es doch eine merkwürdige Pointe. Agathes banges Rezitativ "Wie leise nahte mir der Schlummer" und die volksliedhaft populäre "Leise-leise"-Weise aus Webers "Freischütz" wirken nach den Haydns und Mozarts Ausdrucks-Kaleidoskopen eher dramatisch eindeutig und vergleichsweise simpel, wie eine Verarmung der Sangeskunst. Vielleicht wäre die Umkehrung des Zeitpfeils die effektvollere Lösung gewesen.
Annette Dasch, Marc Piollet, Akademie für Alte Musik Berlin: Mozart. Sony Classical