Bevor es am Sonntag in Bayreuth so richtig losging, hatte der „Tannhäuser“ für Kinder schon seine Feuertaufe bestanden. Die hauptsächlich von der neuen Co-Chefin Katharina Wagner initiierte Kinderoper ist die bislang sichtbarste und überzeugendste Neuerung auf dem Grünen Hügel. Trotz der jahrelangen Überbuchung kümmert sich die neue Festspielleitung mit theaterpädagogischem Ehrgeiz um den Nachwuchs für die Richard-Wagner-Festspiele.
Dabei werden die Kinder selbst in die Vorbereitung einbezogen. Bei den Kostümen gab es wieder einen deutschlandweiten Kostümwettbewerb. Von den fünf Schulen aus Berlin, Forchheim, Köln, Langenzenn und Münster, gewann die Nelson-Mandela-Schule in Berlin und lieferte die Entwürfe für diese Produktion. Auch wenn bei dem berühmten Zitat Richard Wagners dabei alle an etwas ganz anderes denken, sein so gern zitiertes „Kinder! Macht neues!“ wurde bislang wohl kaum so wortwörtlich genommen, wie hier.
Begonnen hatte alles auf der Probenbühne hinter der Kantine im letzten Jahr mit einem „Fliegenden Holländer“. In diesem Jahr nun folgte „Tannhäuser“. In Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, hat Jungregisseurin Reyna Bruns ihn kindgerecht, als Geschichte über Freundschaft, in ein Internat verlegt. Mit einem pedantischen Leiter (Mario Klein) und Kissenschlachten vor der Nachtruhe. Mit einem eigensinnig vor sich hin komponierenden Tannhäuer (für den sich immerhin der renommierter Wagnersänger Jeffrey Dowd ins Zeug legt). Er ist der Außenseiter, der sich auch schon mal (mit Erfolg) selbst wegwünscht. Dabei fährt ihn die coole und ausgeflippte Venus (Alexandra Petersamer) auf ihrem Skateboard nicht nur fast über den Haufen, sondern beeindruckt ihn mit ihren knallbunten Klamotten und Fangarmen ebenso wie sie ihn mit ihren Wozu-Fragen ins Schwitzen bringt. Dann lieber doch zurück zum Gesangswettbewerb in der Schule. Hier kriegt das verkannte Junggenie aber keinen Preis, sondern eine Besserungsreise nach Italien verordnet. Währenddessen erklärt Wolfram endlich einmal die Sache mit dem zweitbesten Freund der Klassenschönheit Elisabeth (Sonja Mühleck). Als der Kumpel Tannhäuser dann von seinem Italientrip zurückkommt, verträgt er sich wieder mit Freund Wolfram und Freundin Elisabeth. Alle ziehen gemeinsam durch das geöffnete Tor des Probebühne ins Freie, sprich ins Leben! Und das haben sie noch vor sich. So einfach kann Oper sein. Fürs Kompliziertere und Vielschichtige ist man im Großen Haus nebenan zuständig.
In den 70 schnell vergehenden Minuten gibt’s vom klein besetzten Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt unter Hartmut Keil die musikalische Quintessenz der Vorlage, die Alexander Busche aus der Langfassung destilliert hat, und einen flott angepassten Text mit viel Interaktionseinlagen für die am Ende begeistert mitgehenden Zuhschauer. Kein Wunder, dass die zehn angesetzten Vorstellungen im Handumdrehen ausverkauft waren.
Irgendwann, mittendrin, brüllte einer beim Anblick von Elisabeth: „Die Merkel kommt auch“ – Wie er da nur drauf kam.
Public Viewing am 21. August. DVD unter www.shop.bayreuther-festspiele.de