kalaydo.de Anzeigen

Alte Oper Frankfurt: Die Phase der Tastenfindung

Daniel Barenboim, einst ein pianistisches Wunderkind und heute vor allem als dirigierender Kosmopolit gefragt, war nie der kühl-brillante Perfektionist. Ob da die beiden Liszt-Klavierkonzerte überhaupt ein geeignetes Repertoire für ihn darstellen... doch ist nun eben 2011 das Liszt-Jahr.

Daniel Barenboim ist Dirigent und Pianist zugleich.
Daniel Barenboim ist Dirigent und Pianist zugleich.
Foto: ddp

Daran wird sich ein Dirigent wohl nicht gewöhnen können: Von seinem Solisten an der Hand gepackt und nach vorne gezogen zu werden zum Applaus des Publikums. So geschehen, nicht nur einmal, jetzt bei einem Sonderkonzert der Frankfurter Museumsgesellschaft in der Alten Oper. Sebastian Weigle war der Dirigent und Gastgeber, es spielte sein Museumsorchester – doch der Solist hieß Daniel Barenboim, und der scheint nicht anders zu können, als stets das Heft in die Hand zu nehmen. Ein Maestro sagt eben, wo es lang geht.

Sebastian Weigle, der Frankfurter Generalmusikdirektor, war einst Hornist in Daniel Barenboims Berliner Staatskapelle und dort dann auch sein Assistent am Taktstock, Barenboim machte ihm in den neunziger Jahren den Weg ans Dirigentenpult frei. Jetzt war Daniel Barenboim nach langer Pause wieder einmal nach Frankfurt gekommen – mit dem Museumsorchester hatte er dort zuletzt 1968 gespielt. Es ist Liszt-Jahr, was Barenboim dazu nutzt, seine nicht übermäßig intensiv gepflegten pianistischen Fähigkeiten wieder etwas mehr in den Fokus zu rücken.

Mit einem Programm aus gleich beiden Liszt-Klavierkonzerten tourt er gerade durch Europa, er spielte und spielt sie mit sieben verschiedenen Orchestern und sieben Dirigenten. Frankfurt jetzt war seine vorletzte Station, die Mailänder Scala wird noch folgen. Das hörte man den Konzerten nicht unbedingt an, sie wirkten noch in der Tastenfindungsphase.

Rhapsodisch, geradezu fahrig

Mehr dazu

Daniel Barenboim, einst ein pianistisches Wunderkind und heute vor allem als dirigierender Kosmopolit gefragt, war nie der kühl-brillante Perfektionist. Geschätzt wurde immer mehr sein poetisch-leuchtender, in sich gekehrter Ton. Ob da die beiden Liszt-Klavierkonzerte überhaupt ein geeignetes Barenboim-Repertoire darstellen, wäre schon eine Frage wert, doch ist nun eben 2011 das Liszt-Jahr.

Das im zweiten Konzertteil gegebene erste Klavierkonzert in Es-Dur war jedenfalls das gelungenere. Es verfügt über das größere lyrische Potenzial, lässt man die von Barenboim nur verlustreich gemeisterten kräftig-akkordischen Passagen außer Acht. Immer dort, wo es vollgriffig wurde, wurde es auch mühsam – keine Idealvoraussetzungen für Liszt.

Das A-Dur Klavierkonzert zuvor nahm Barenboim sehr rhapsodisch, um nicht fahrig zu sagen, in Sachen Akzentuierung und Phrasierung war kaum ein System zu erkennen. Die Positivakzente musste das Museumsorchester setzen, etwa in Form eines sagenhaft schönen Cello-Solos.

Drei Zugaben von Frédéric Chopin und von Liszt, keine fehlerfrei, darunter eine Valse oubliée, ein „vergessener Walzer“. Vergessen, das ist ein gutes Stichwort. Dazu Ovationen im Stehen für den Pianisten Daniel Barenboim, dann nicht mehr mit einem Sebastian Weigle im Schlepptau.

Autor:  Stefan Schickhaus
Datum:  11 | 3 | 2011
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
TV

Gestern ferngesehen? Wir auch! Diskutieren Sie mit!

Meistgeklickt
Sängerin Loreen holt mit Euphoria den ESC nach Schweden und siegt in Baku.
Eurovision Song Contest in Baku 
Harry Nutt
Leitartikel zum Eurovision Song Contest 
Ermittler der Spurensicherung der Polizei durchsuchen in Kiel ein ehemaliges Trafohaus auf dem Gelände einer Kfz-Werkstatt.
Einsatz gegen Rockerbande 

Video