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Neues Album: Santa Muerte: Ehrliches Pathos bei den Brathähnchen

Der Bandname ist der Gleiche geblieben. Die Musik dagegen nicht. Das neue Album der Düsseldorfer Punkrockband die Broilers überrascht mit rockigen Klängen und großer stilistischer Bandbreite.

Die Broilers
Die Broilers
Foto: Erik Weiss

Womöglich ist man ja vorbelastet. So als Düsseldorfer. Wenn man ausgerechnet aus der Stadt kommt, in der gerne behauptet wird, der deutsche Punkrock sei da erfunden worden. Darüber lässt sich sicher trefflich streiten, aber die Legende steht. Also: Ratinger Hof, ZK, DAF, Fehlfarben, natürlich die Toten Hosen. Da bleibt was hängen. Bei den Broilers jedenfalls. Die werden den Punk nicht los.

Der ist, nach 17 Jahren Bandgeschichte, aber bloß noch der kleinste gemeinsame Nenner. Mit „Santa Muerte“, ihrem neuen Album, beweist das Quintett, das Punkrock nicht so langweilig sein muss, wie man vermuten muss. Stattdessen demonstrieren die Broilers eine unerwartete stilistische Bandbreite. Wenn es nach vorne geht, dann wird der Sound eher angetrieben von satten Bläsern als von Gitarren. Wenn die übernehmen, dann endet es schon mal in einem gediegenen Rocksong. Und wenn der gar zu bräsig zu werden droht, verwandelt er sich halt gleich in eine akustische Ballade.

Auf „Santa Muerte“ ist so deutlich wie nie zuvor zu hören, dass die Broilers mehrheitlich einen gewissen Bruce Springsteen schätzen. Weil nach all den Jahren zudem das musikalische Handwerk kaum mehr zu verleugnen ist, wird der Punk dann notgedrungen eher zur Attitüde degradiert. Er endet, wenn man so will, als Trotzhaltung, illustriert von dem nach Eigeneinschätzung mittlerweile arg peinlichen Bandnamen, den man aber behält, weil man ihn schon mal hat.

Denn dass das ostdeutsche Brathähnchen zum Wappentier der Band gekürt wurde, lag weniger an einer romantischen Verehrung der damals bereits untergegangenen DDR als an dem Binnen-„oi“. Zur Gründung in noch nahezu kindlichem Alter verstanden sich die Broilers als Oi-Band, ihre Mitglieder trugen das Haar sehr kurz, die Hemden hochgeknöpft und die Stiefel martialisch. Mochte sich die Band selbst eher im linken politischen Spektrum sehen: Sich als Skinhead zu verkleiden, führte damals, kurz nach der Wiedervereinigung und angesichts fremdenfeindlicher Ausschreitungen, schnell zur einschlägigen Einschätzung. Die wurde scheinbar dadurch bestätigt, dass man einen Song wie „Paul, der Hooligan“ schrieb. Die Probleme mit Antifa-Gruppen waren programmiert, Sänger Sammy Amara, dessen Vater aus dem Irak stammt, sah sich gezwungen im Song „An all den Schmutz“ eindeutig Stellung zu beziehen.

Hier enden allerdings die Parallelen zu Rammstein oder den Böhsen Onkelz. Weder spielten die Broilers geschickt mit einer Nazi-Ästhetik, noch stilisierten sie sich erfolgreich zu den Verfolgten einer missgeleiteten politischen Korrektheit. Die Broilers blieben einfach eine Rockband, die zusehends auch musikalisch das „Oi“ tilgte.

Der rotzige Ton von damals schlägt zwar manchmal noch durch auf „Santa Muerte“: Immer noch reckt Amara der Gesellschaft und den Spießern in seinen Texten den gereckten Mittelfinger entgegen, immer noch soll mancher Mitgrölrefrain alle die aufrichten, die sich nicht unterkriegen lassen wollen.

Aber das Pathos ist ehrlich. Rock’n’Roll ist hier noch ganz altmodisch Proletenmusik, ein Sound, der in der originalen Skinhead-Tradition den Stolz auf die Arbeiterklassenzugehörigkeit transportiert. Das klingt bei den Broilers noch einmal durchaus überzeugend, in manchen Stücken von „Santa Muerte“ sogar recht frisch und lebendig. Die Grundaussage aber ist natürlich heutzutage nicht einmal mehr vage rebellisch, sondern vor allem wertkonservativ. Und so gesehen passt der Punkrock der Broilers ja dann doch wieder ins schöne Düsseldorf.

Broilers: Santa Muerte (People Like You/Century Media/ EMI)

Autor:  Thomas Winkler
Datum:  11 | 6 | 2011
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