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Musik

10. März 2016

Erika Stucky in der Brotfabrik: Aber nur Männer mit langen Haaren

 Von Stefan Michalzik
Erika Stucky, hier nicht direkt singend.  Foto: Veranstalter

Die amerikanisch-schweizerische Sängerin Erika Stucky, etwas sehr verjuxt in der Frankfurter Brotfabrik

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Erika Stucky ist eine Sängerin von immensem improvisatorischem Vermögen – mit einer Neigung, sich in einem exaltierten Habitus zu verlieren. Ein Konzert ist bei ihr immer eine Show, humoristisches Entertainment auf einem jazzavantgardistischen Fundament. Gerne nimmt sie Popstandards her und münzt sie nach Stuckyart bis an den Rand der Kenntlichkeit um, mit lautmalerischen vokalen Eskapaden und einer Stimmführung nach der Art von Instrumenten, mal auch scattet sie beispielsweise ein E-Gitarrensolo. Das findet Freunde, sie erfreut sich voller Häuser, wie jetzt zum x-fach wiederholten Male in der Frankfurter Brotfabrik, diesmal mit ihrem Projekt Bubbles & Bangs.

Am Beginn ihrer Laufbahn hat sich die 1962 in San Francisco geborene Tochter Schweizer Eltern viel mit dem alpenländischen Musikgut beschäftigt, darüber ist sie schon lange hinaus; lediglich in der Zugabe hat sie noch einmal in einer freien Anverwandlung gejodelt, sich selbst auf einem kleinen Akkordeon begleitend. Augenzwinkernd hat sie zum Weltfrauentag in dieser Woche Britney Spears’ Nummer „(Hit Me) Baby One More Time“ ins Repertoire aufgenommen, in einer überzogen dramatischen, also – wie so vieles an diesem Abend – auf Komik abzielenden Fassung.

Die Songs, sagt Erika Stucky, sollen nur von Frauen stammen oder aber von Männern mit langen Haaren. John Lennons Beatlesnummer „Revolution“ mischt sie also zu einer Bastardversion mit „It Ain’t Me Babe“ von Bob Dylan. Das kann man machen, es wirkt allerdings nicht originell und darum albern und willkürlich.

Garniert mit in sympathischer Weise selbstgebastelt anmutenden Hintergrundgrafiken improvisiert sie an diesem Abend vor allem über Popklassiker von „Gimme Shelter“ (Rolling Stones) über „Helter Skelter“ (Beatles) und „I Heard It Through the Grapevine“ (Marvin Gaye) bis zu Duke Ellingtons „Squeeze Me“. Man kennt das von ihr schon arg gut, inzwischen sind das keine Überraschungen mehr. Mit dabei sind ihre fulminant freigeistigen Musiker Marc Unternährer an der Tuba und Lukas Niggli am Schlagzeug.

Stucky trägt die Songs nicht erzählend vor, sie verliert sich im Anekdotischen. Je mehr sie sich zurücknimmt, je weniger sie sich in klamaukhaften Extempores verliert, desto besser ist sie. Wie glückreich ihr das gelingen kann, das zeigt ihr jüngstes Album „Black Widow“ von 2013. Da lässt sie sich auf die Songs ein und geht recht ungekünstelt mit ihrer Stimme um, weitgehend ohne Jux. Dahinter blieb dieser Abend in Frankfurt weit zurück.

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