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Zum Tode von Hans Ulrich Engelmann: Esprit jenseits des Notierten

Seine Heimatstadt und ihre Ferienkurse für Neue Musik, wo er 1946 als einer der ersten eingeschrieben war, wurde zur Basis einer beachtlichen Karriere: Der Darmstädter Komponist Hans Ulrich Engelmann studierte aber auch Philosophie bei Adorno. Nun ist der emeritierte Professor mit 89 Jahren gestorben.

        

Hans Ulrich Engelmann, 1921 – 2011.
Hans Ulrich Engelmann, 1921 – 2011.
Foto: Günther Jockel

Er schrieb kalligraphisch und akribisch, die horizontalen und vertikalen Linien seiner Partituren zogen klare Grenzen. Hans Ulrich Engelmanns Intellekt und Esprit überschritten aber den Bereich des Klanglichen auf dem Notenpapier. Literatur, Bildende Kunst, Architektur und Tanz bewegten ihn als Musiker. Jenseits der aufgeschriebenen Musik liebte und spielte er Jazz, was seine Kompositionen bis zuletzt prägte.

Trotz des Nationalsozialismus hatte er in Darmstadt Abitur machen können; kurz vor Kriegsende kam sein Vater in Theresienstadt zu Tode. Seine Heimatstadt und ihre Ferienkurse für Neue Musik, wo er 1946 als einer der ersten eingeschrieben war, wurde zur Basis einer beachtlichen Karriere. Er studierte bei Hermann Heiß, René Leibowitz und Wolfgang Fortner, aber auch Philosophie bei Adorno und Horkheimer. Stipendien führten ihn nach Salzburg, an die Harvard University und zu längeren Aufenthalten in der römischen Villa Massimo. In den beiden Nachkriegsjahrzehnten war Hans Ulrich Engelmanns Name international geläufig, wenn es um Musik aus der jungen Bundesrepublik ging. Später engagierte er sich im Komponistenverband und bei der Gema dafür, dass Komponisten von ihrer Arbeit leben können.

Sein Oeuvre umfasst farbenreiche Werke aller Gattungen, wobei er wesentliche Aufträge und Anregungen von deutschen Rundfunkanstalten erhielt. Michael Gielen, Bruno Maderna, Hans Rosbaud und Hermann Scherchen dirigierten die Uraufführungen. Neben seinen fünf Bühnenwerken ist der für den WDR geschriebene „Fall van Damm“, dessen Thema die Todesstrafe ist, von besonderer Bedeutung für die Entwicklung des Genres der „Funkoper“. Zum Theater war er über das Darmstädter Schauspiel gekommen, wo Gustav Rudolf Sellner ihn als Hauskomponisten verpflichtet hatte.

Von 1969 bis 1986 war Hans Ulrich Engelmann Professor an der Frankfurter Musikhochschule, die ihn 2006 zum Ehrensenator berief. Außerdem lehrte er als Gast in Israel, der Sowjetunion und den USA. Groß ist die Zahl seiner Schüler, zu denen die Komponisten Hans-Jürgen von Bose und Moritz Eggert zählen sowie etliche Professoren an deutschen Musikhochschulen. Am vergangenen Samstag starb Engelmann im neunzigsten Lebensjahr in Darmstadt, wo er in der Künstlerkolonie Rosenhöhe lebte.

Autor:  Christoph Schwandt
Datum:  10 | 1 | 2011
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