Für jeweils drei Wochen im Herbst stellt uns die EZB an Frankfurter Orten eines der Mitgliedsländer der EU vor. Die Kulturwochen in den vergangenen Jahren mit Gastauftritten von Polen, Ungarn und Griechenland waren nicht nur Reisen in vielfältige Kulturen, sie zeigten auch Nationen auf Identitätssuche - hier der Rückgriff auf Tradition und Folklore, dort der Versuch, sich als Wiege der Moderne zu präsentieren. Auch Rumänien, Gastland in diesem Jahr, versucht sich an diesem Spagat. Stellt sich einerseits mit Künstlern der Klassischen Moderne vor, wie dem Bildhauer Constantin Brancusi und dem Komponisten George Enescu, kommt uns aber auch mit der Panflöte von Georghe Zamfir und mit "Roots", einer Folklore-Show.
Den Auftakt in der Alten Oper gestaltete das Nationale Rundfunkorchester unter der Leitung des mit dem Werk von Enescu überaus vertrauten Cristian Mandeal und wirft ausgerechnet einen Blick auf jene Werke des 1881 geborenen Musikers, die sich im Bewusstsein der Öffentlichkeit vor das ansonsten so vielschichtige Oeuvre geschoben haben.
Ein Weltbürger, reduziert
Nicht der so komplex und ambitioniert (ver)dichtende Tüftler steht hier im Fokus, das Orchester präsentiert ein Programm, das Enescu mit Werken aus seiner Frühzeit als Komponisten eines nationalen Stils zeichnet in der Nachfolge eines Jean Sibelius oder Bedrich Smetana. Reduziert den so polyglotten Weltbürger, der in Wien und Paris studiert hat und lange in Frankreich lebte, wo er auch 1955 starb, mit der süffigen Interpretation einer seiner populär gewordenen "rumänischen Rhapsodien" auf einen raffinierten Salonkomponisten und setzt noch einen drauf mit der braven "Orchestersuite Nr. 1" aus dem Jahr 1901. Beide Werke hat der noch junge Komponist parallel zu seiner Karriere als Geiger geschrieben, Ambitionierteres schrieb er schon damals.
Einzig die "Caprice Roumain", Variationen über Volksmusiken für Violine und Orchester, aus den späteren Jahren hat Eingang ins Programm gefunden. Das Werk blieb unvollendet und wurde erst lange nach Enescus Tod von Cornel Taranu rekonstruiert. Aber auch diese musikantischen Variationen erhalten in der Interpretation durch das Orchester mit dem Geiger Gabriel Croitoru eine arg gefällige Note, vermitteln aber immerhin eine Ahnung von dem extravaganten und polyphonen Stil, den der Fauré-Schüler Enescu vor allem in seinen Werken für Kammermusik pflegte.
Komplettiert wird der Enescu-Abend nicht mit einem Werk von Brahms (den der Komponist ebenso bewunderte wie Wagner), sondern mit Beethovens "Tripelkonzert", das hier gespielt wird von zwei Musikern aus den Reihen des Philharmonischen Orchesters "George Enescu" und dem Pianisten Nicolae Licaret. Solide und von eben jener Noblesse, die auch aus den temperamentvollen Werken Enescus aparte Salonstücke macht.
Wer aber neugierig ist auf Enescu und Rumänien, der musste sich die Mühe machen, im Herbst zum Enescu-Festival zu reisen.