Dass die Südtiroler Rockband Frei.Wild nach 2011 nun schon zum zweiten Mal für den Echo-Musikpreis nominiert wurde, sorgt zunehmend für Ärger. Der bisher lustigste Kommentar dazu ist ein Tweet, der vorschlägt, Erika Steinbach für die Laudatio zu gewinnen. Die Präsidentin des Vertriebenenbundes fände sicherlich die angemessenen Worte für die deutsch singenden Rocker mit deutschen Pässen aus der italienischen Provinz, deren Sänger sein Heimatschicksal einst so bejammerte: „Südtirol, deinen Brüdern entrissen ... Du bist noch nicht verloren. In der Hölle sollen deine Feinde schmoren.“
Die Chemnitzer Band Kraftklub und die Berliner Poprocker MIA. haben nun mit Bedauern ihre Echonominierungen in der indigenen Kategorie Rock/National zurückgewiesen, weil sie nicht zusammen mit solchen Kollegen gelistet sein wollen. Das kann man verstehen. Die Südtiroler schwätzen zwar wie in solchen Kreisen üblich von einer unpolitischen Heimat- und Sprachverbundenheit. Aber schon bei flüchtiger Textkontrolle bleibt wirklich kein Zweifel daran, dass aus den Musikantenköpfen ein extrem rechter Wind abgeht.
Das Problem im Echo-Fall ist allerdings keines der Band und vermutlich nicht mal eins der Echo-Verantwortlichen. Letztere folgen den festgeschriebenen Kriterien: Es reichen deutscher Pass und beste Verkaufszahlen. Angeblich gibt es zwar eine Jury − seit je ungenannte Personen aus Musikindustrie und Medien − mit immerhin fünfzig Prozent Spielraum. Zu deren Gunsten könnte man allerdings den hartnäckigen Gerüchten vertrauen, sie existiere gar nicht. Wo aber die Alben eh schon verkauft sind und Qualität keine Rolle spielt, kann man leicht nachvollziehen, dass die gleichfalls nominierten Punkrocker Die Ärzte mit der üblichen Lässigkeit erklärt haben, der Echo interessiere sie sowieso nicht.
Was man aber an dem Skandälchen bemerken und den Verfechtern des vermeintlich nur karnevalistischen Fußballnationalismus ins Stammbuch schreiben muss, ist dies: Dass diese dumpf gespielte und gedachte Musik per Volksvotum nominiert wurde.
Alle Bilder, alle Auftritte, alle Kandidaten: Der Eurovision Song Contest 2013 in Malmö in unserem FR-Spezial.