Es könnte dem Jazz besser gehen hier zu Lande, aber wir wollen nicht klagen. Wie gut es ihm in Frankfurt einmal ging, das zeigt ein Blick in die FR vom 2. März 1968. Von "Soul-Ville" ist da die Rede, und gemeint ist Frankfurt, die Jazzhauptstadt. Vieles ist anders und manches dahin, aber der Jazz in Frankfurt, er lebt noch. Nicht zuletzt gefördert mit Mitteln der Stadt. Eines davon ist das "Arbeitsstipendium Jazz", das seit 1991 verliehen wird. Eingeladen hierzu sind Musiker unter 28 Jahren, ausgewählt werden die Stipendiaten von einer Dreier-Jury.
Den Scheck über 5500 Euro überreichte jetzt Kulturdezernent Felix Semmelroth bei einem Doppelkonzert mit den Preisträgern von 2008 und 2009 an das Modern Jazz Quintet. Einer der Musiker hat sich die städtische Prämie zum zweiten Mal in Folge gesichert: 2008 noch erfolgreich mit dem Contrast Quartet um den Pianisten Yuriy Sych, engagiert sich der agile Schlagzeuger Martin Standke auch in einem Quintett um die Pianistin Natalya Karmazin, in der neben Musikern aus der Ukraine, Russland und der Schweiz ein Offenbacher steht.
Christoph Rücker heißt der Bassist und er hält in den Stücken des Abends mit warmem und doch kräftigem Spiel den Puls lebendig. Wie überhaupt die Arbeit von Klavier, Bass und Schlagzeug einer der Pluspunkte des Modern Jazz Quintets ist. Auch wenn der Name ein wenig altbacken klingt, die Kompositionen sind es keineswegs. Man spielt swingenden, melodiösen Jazz, der die Schienen des Hard-Bop nutzt. Mit deutlich amerikanischem Profil (Natalya Karmazin, von der die Kompositionen stammen, hat gelernt bei Richie Beirach) und doch eigenem Ausdruck: Aus den Fingern der Pianistin laufen immer wieder Noten, die europäischen (Klassik-)Traditionen folgen.
Ähnlich wie beim Contrast Quartet, das den Abend eröffnete, wird auch hier die Band vom Klavierhocker aus dirigiert. Die Akzente setzen vor allem die Improvisationen der beiden Saxofonisten. Der eine ist Daniel Guggenheim, ein Mann mit erdigem und doch lyrischem Sound. Neu und eine kleine Sensation aber ist der schmächtige Altsaxofonist. Schon sein erstes Solo im "Blues for Big Baby" (eine Hommage an Richie Beirach) hat flirrende Intensität. Evgeny Ring kann aufbrausen wie im hitzigen "Cool Down", aber auch ganz sachte klingen. Ein wendiger Saxofonist, mit einem strahlenden Ton. Ring lebt zwar in Leipzig, aber Jazzmusiker sind ja längst über die lokalen Szenen hinaus verbunden. Benjamin Steil, der famose Saxofonist des Contrast Quartets lebt in Köln - der heimlichen Jazzhauptstadt.