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Haindling in Hanau: Der Papst und er und der nördlichste Punkt

Nur sporadisch berichtet die FR an dieser Stelle aus der Welt der bayerischen Blasmusik. Heute beenden wir diese Durststrecke, denn Haindling war da, und was sollen wir erzählen: sauber war's.

Musiker Hans-Jürgen Buchner steht im niederbayerischen Haindling  mit einem Saxophon vor einer Wand mit Gitarren. Aus dem erfolgreichen Kunst-Handwerker wurde der ebenso erfolgreiche Musiker Haindling.
Musiker Hans-Jürgen Buchner steht im niederbayerischen Haindling mit einem Saxophon vor einer Wand mit Gitarren. Aus dem erfolgreichen Kunst-Handwerker wurde der ebenso erfolgreiche Musiker Haindling.
Foto: dpa

Nur sporadisch berichtet die Frankfurter Rundschau an dieser Stelle aus der Welt der bayerischen Blasmusik. Heute beenden wir diese Durststrecke, denn Haindling war da, und was sollen wir erzählen: sauber war's.

Kurz gesagt: 1200 vormals Vernünftige verbringen einen Abend sitzend, stehend, "Du Depp" kreischend, jodelnd, synkopisch klatschend, rockend, hüpfend, schunkelnd, minutenlang ein "Aaaaah" in D singend. Schon nach zwei Liedern haben einen diese Leute aus Bayern so weit, dass man als Teilnehmer einer Lachtherapie "Ho! Ho! Hahaha!" ruft.

Haindling ist ein Ortsteil der niederbayerischen Gemeinde Geiselhöring, und da stammt der Keramiker Hans-Jürgen Buchner her, der bis 1982 nebenbei Musik machte. Das musste er dann aufgeben, alldieweil seine erste Scheibe gleich den Deutschen Schallplattenpreis gewann und die Menschheit ständig weiter mit Haindling-Liedern versorgt werden musste: "I hob di lang scho nimmer gseng" zum Beispiel. Oder "Paula". Also nichts mehr von wegen Töpferei und nebenbei ein bisschen Hobbymusik.

"Seit 27 Jahren samma unterwegs", sagt er den Hanauern. Und nun steht er wieder da, der Buchner, im wunderbaren Amphitheater am Schloss, macht mit seiner Band den Auftakt zum Hanauer Konzertsommer, mitten in der Dornröschen-Kulisse der Märchenfestspiele, ist bald 65 Jahre alt und phänomenal gut gelaunt.

Die sechseinhalb Haindling-Musiker (der Bühnenmanager trommelt teils mit) können alles. (Außer Dornröschen wachküssen.) Sie spielen die verrücktesten Blasinstrumente, teilweise meterlang und teleskopartig ausfahrbar. Zimmern eine knackige Basis aus Schlagzeug und E-Bass respektive Tuba, weben Keyboardteppiche, und Hans-Jürgen Buchner macht schmissig-lustige Bewegungen dazu oder singt, dass es unter die Haut geht: "Rote Haar" etwa, oder: "Ich hab vergessen, dass ich so vergesslich bin".

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: So zünftig Haindling auch daherkommt die größten Momente sind die ruhigen, sensiblen, mehrstimmigen Stücke, ob mit Gesang, ohne Gesang oder mit Trompete: die 1989er "Blasmusik in Moll", zum Heulen schön.

Es gebe zwei Träger der "Nordbairisch-Mittelbairischen Sprachwurzel" für Verdienste um die (in dem Kontext schreibt man das so) bairische Sprache, so Buchner: den Papst und ihn. Doch auch ums Hochdeutsche macht sich Haindling verdient. Die neue Platte "Ein Schaf denkt nach" enthält den Titel "O-Käy", der nicht etwa generell die Verwendung dieses einst aus dem Englischen eingereisten Multifunktionsbegriffs geißelt. Nein, okay ist o.k. es kommt darauf an, wie man es ausspricht: zuletzt leider fast überall mit hochgezogenem "-käääiiii".

Buchner hat in den vergangenen Jahren viel Filmmusik gemacht, darunter das herrlich perlende "Noch in der Umlaufbahn" für die Fernsehreihe "Gernstl unterwegs". Er darf bloß nicht vergessen, auch weiter selbst unterwegs zu sein. Denn es ist nicht damit getan, auf jeder Urlaubsreise im Auto mindestens einmal die Haindling-Live-CD durchzuhören nein, es geht noch liver, und das ist noch schöner. Unter anderem wegen der Gratis-Einführung in den Gebrauch einer vietnamesischen Maultrommel. Allerdings nur noch südlich des Weißwurst-Äquators. Hanau war nun wirklich das Nördlichste, das Haindling zuzumuten war, sagt Buchner "weiter oben spuin ma nimmer".

Haindling-Termine: 9.7. Kempten, 10.7. Wertheim, 11.7. Peißenberg.

Autor:  Thomas Stillbauer
Datum:  8 | 7 | 2009
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