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Musik

06. März 2016

Hannes Wader in Frankfurt: Heute hier, morgen auch

 Von Volker Schmidt
Hannes Wader in der Alten Oper Frankfurt.  Foto: Achim Reissner/Alte Oper Frankfurt

Hannes Wader, in der Alten Oper Frankfurt zum Mitsingen gut auch ohne Lagerfeuer.

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Hannes Wader irrt. „Wird es nach uns wohl noch jemand geben der, wenn unser Gesang erst für immer verklingt, noch unsere Lieder singt?“, fragt er singend und gibt hernach die harte Antwort: „Es wird keinen geben.“ Das ist Blödsinn, zum Glück. So lange es Lagerfeuer gibt, wird jemand daran „Heute hier, morgen dort“ oder „Schon so lang“ klampfen. Erst drei Tage vor dem Konzert des 73-Jährigen im Mozartsaal der Alten Oper hatte Kollege Konstantin Wecker am selben Ort, wenn auch im Großen Saal, nicht ganz neidlos konstatiert, dass seine Söhne Wader-Lieder singen.

Das hat seine Gründe. Wader schreibt knorzige und poetische, satirische und enigmatische, liebestolle und branntweinselige, immer sehr eigene und vor allem immer sehr menschliche Songs. Der ruhelose Geist aus „Heute hier, morgen dort“, mit dem er seit 1972 beinahe ausnahmslos seine Konzerte eröffnet, ist er selbst; er zehrt glaubwürdig von dem, was er in seinem langen Wanderleben erlebt und sich angeeignet hat.

Auf dem Weg von Alaska nach Oregon steigt er im dämonischen „Hotel zur langen Dämmerung“ ab, wird irgendwo in der Nähe von Tipperary in einem Pub mit dem herrlichen Namen „Folksinger’s Rest“ beinahe von der Wirtstochter verführt oder trifft sich seit 40 Jahren im Gasthaus zum Schwanen im elsässischen Wissembourg, der „Kleinen Stadt“ aus dem eingangs zitierten Lied, mit Gleichgesinnten zu Sang und Trank.

„Aber das bleibt jetzt so“

„Ein griechisches Lied“ hat er im Programm, obwohl er nie in Griechenland war, und es im 7/8-Takt gesetzt, weil er das so griechisch fand – inzwischen wisse er, dass es diesen Takt dort selten gebe, „aber das bleibt jetzt so“, sagt er fast drohend. „Le déserteur“, das großartige Antikriegslied von Boris Vian, hat er mehrfach übersetzt, aber er singt es doch lieber auf Französisch.

Auch einen Talking Blues hat Wader wieder mal geschrieben, jene „antike Form des Rap“, die er wie der frühe Dylan gern genutzt hat in seinem Oeuvre. Sein Finger picken flink die Stahlsaiten, starke Akzente sitzen zwischen den Arpeggien. Die Stimme ist der gute alte Wadersche Heldenbariton, seit seinem Schubert-Album sogar mit Unterstützung klassischen Gesangsunterrichts: warm in den Tiefen, glockenklar in den Höhen und zur ironischen Verfärbung neigend.

Auch wenn das Lagerfeuer fehlt: Man sänge so gern vieles mit. Doch Wader verzichtet bis zum Schluss auf Publikumsbeteiligung, bis „Sag mir wo die Blumen sind“. Das Publikum bekommt nicht genug und feiert den Sänger mit Applaus im Stehen – sicher auch für sein Lebenswerk.

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