Als Hans Werner Henzes Oper "L'Upupa und der Triumph der Sohnesliebe" vor sechs Jahren bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt wurde, umwehte dieses Ereignis auch ein Hauch von Abschied. Doch der 1926 geborene Grand Seigneur seiner Zunft überraschte die Musikwelt vor zwei Jahren an der Lindenoper in Berlin mit einer frappierend frischen "Phaedra", die manchen seiner jüngeren Kollegen alt aussehen ließ. Für Henze ist das Leben immer noch Komponieren. Zur Dresdner Premiere der "L'Upupa" war er aus Italien angereist. Er nahm in der Pause von der Loge aus die Ovationen, die die Mitwelt dem größten lebenden deutschen Komponisten mittlerweile bereitwillig zollt, huldvoll entgegen.
Die Geschichte, die er sich aus der arabischen Märchenwelt gefischt, zu einem Libretto mit elf Tableaus verarbeitet und mit etwas Zauberflöte und Parabelartigem angereichert hat, handelt von einem Vater dreier ungleicher Söhne. Dem alten Mann fliegt der geliebte Wiedehopf davon, als er nach ihm greifen will. Für seine drei Söhne wird dessen Wiederbeschaffung eine Prüfung. Nur einer besteht sie mit Hilfe seines guten Dämons. Nach etlichen Abenteuern kehrt er, samt befreiter Prinzessin und einer geheimnisvollen Schatzkiste im Gepäck, zurück. Die beiden anderen Brüder erweisen sich als hinterlistige, egoistische Nichtsnutze, versuchen ihn aus dem Weg zu räumen.
Das ganze Geschehen ist eine Art Wanderung dieses Sohnes, Al Kasim, durch die Welt und zu sich selbst. Als sich dann alles zum Guten fügen könnte, der Vater zufrieden, die falschen Brüder bestraft, die Braut zur Stelle ist und schon von Hochzeit geredet wird, da verzieht sich dieser Wandersmann aus Passion plötzlich einfach wieder. Er hat eine Verabredung mit seinem Dämon. In Dresden macht er sich auf den Weg über die gewaltige, sich ständig in- und gegeneinander drehende Treppenlandschaft, mit der Roland Aeschlimann die Bühne für Nikolaus Lehnhoffs unaufgeregt erzählende Inszenierung eindrucksvoll beherrschend zugestellt hat.
Der bunte Dämon
Auch wenn man jetzt den Dämon wie ein Denkmal, sozusagen bedeutungsoffen, im Zentrum erblickt, kommt diese Inszenierung über eine luxuriös ausgestattete Märchenstunde, in den prachtvoll bunten Kostümen von Andrea Schmidt-Futterer, nicht hinaus. Wobei sich Henze selbst über die knapp drei Bruttostunden in seiner Fabulierlust an der einen oder anderen Stelle selbst schon mal arabesk verplaudert hat.
Am Pult der Sächsischen Staatskapelle bietet Gastdirigent Stefan Lano viel Klangopulenz für Henzes mediterran durchwehte, gleichwohl auf Orchesterpracht setzende Musik auf. Vom ersten bedeutungsschwangeren Flügelschlag, der aus dem Graben aufsteigt und durchs Haus huscht, über den rhythmischen Parlando-Sound bis hin zu den so kleinen wie faszinierenden symphonischen Verwandlungsmusiken.
Auch das Sängerensemble überzeugte durchweg. Von Claudia Barainskys beweglicher Braut Badi'at über Christa Mayers Malik und Jacques-Greg Belobo bin hin zum profunden Wolfgang Schöne als altem Vater. Die Hauptlast tragen der eloquente Markus Buttler als Al Kasim und sein höchst beweglicher Dämon John Mark Ainsley. Auch die extreme Counterpartie des Adschib ist mit Jacek Lazczkowski erstklassig besetzt, was in einen interessanten Kontrast zum Bass Georg Zeppenfeld als dem anderen Bruder steht.
Semperoper, Dresden:
6., 22., 28. Juni. www.semperoper.de