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Musik

08. März 2016

Herreweghe in Frankfurt: Der geklärte Beethoven

 Von Bernhard Uske
Philippe Herreweghe und Patricia Kopatchinskaja in der Alten Oper Frankfurt.  Foto: Achim Reissner / Alte Oper Frankfurt

Philippe Herreweghe, das Orchestre des Champs-Élysées und die Geigerin Patricia Kopatchinskaja in der Alten Oper Frankfurt.

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Er war unser aller Meister“. Die Worte sprach Philippe Herreweghe nach der Pause, als er die Aufführung der 5. Sinfonie Ludwig van Beethovens dem Andenken Nikolaus Harnoncourts widmete. Demjenigen unter den Pionieren der Originalklangbewegung mit dem größten Einfluss, ohne den ein Philippe Herreweghe, der jetzt mit dem von ihm gegründeten Orchestre des Champs-Élysées im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt auftrat, undenkbar wäre.

Es war interessant zu erleben, wie nahe zwei von Statur und Temperament doch so verschiedene Interpreten wie der 1929 in Berlin geborene Harnoncourt und der 1947 in Gent auf die Welt gekommene Herreweghe im klanglichen Endergebnis doch sind. Selbst Musiker, die wie Paavo Järvi oder Andrés Orozco-Estrada nicht in der Originalklang-Tradition stehen, sind affiziert worden vom Vorbild des Verstorbenen, der für Klärungen, für Spannungssteigerungen und Artikulationserweiterungen auch bei Beethoven sorgte.

Die bei der Fünften mittlerweile obligaten flotten 31 Minuten Spieldauer wurden also auch jetzt wieder eingehalten: blasser und weniger beredsam in den verhaltenen Momenten dieser oft so marschierfreudigen Apotheose. Bestens realisiert von den gut 40 Musikern, die ihrem kaum gestische Extroversion bietenden Chef nahtlos folgten. Das taten sie bereits zu Beginn des Abends, in Beethovens Ouvertüre zum Trauerspiel „Coriolan“ in c-Moll op. 62. In der selben Tonart also wie die Fünfte und mit Formaten ausgestattet, die sich auch in der Sinfonie finden.

Ruhig, leicht, zart

In den c-Moll-Rahmen des Programms war das e-Moll gestellt, das Felix Mendelssohn Bartholdy für sein Violinkonzert op. 64 verwendete. Hier war Patricia Kopatchinskaja die Solistin, die bei den lebhafteren Partien gerne ins huschende Ungefähr einer Art musikantischer Schnappatmung verfiel. Schön die ruhigen, leicht und zart gegebenen Passagen.

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Ungenießbar war die Zugabe, die die Solistin aus Anlass seines nicht lange zurückliegenden 90. Geburtstags dem großen ungarischen Komponisten György Kurtág widmete. Einige Krümel aus „Signs, Games and Passages“ sowie den „Kafka-Fragmenten“ wurden auf eine so miserable Weise unter dem ahnungslosen Publikum verramscht, dass es glauben musste, es hier mit einem besonders lächerlichen Vertreter seiner Zunft zu tun zu haben.

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