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Musik

20. November 2012

HGich.T in Frankfurt: Ein Abend mit HGich.T

 Von Stefan Michalzik

Die Hamburger Radikalhumoristen HGich.T bieten bei ihrem Konzert in der Frankfurter Brotfabrik ihre schräge Mischung aus Hamburger-Schule-Humor und Ballermanntechno: psychedelisch, herrlich trashig und wahrlich kein Kuraufenthalt.

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Ein Abend mit HGich.T ist kein Kuraufenthalt. Unversehens kann man auf der spinnennetzartig verwobenen Bühne landen. Dort wiederum hält sich der Sänger, der sich Tutenchamun nennt, kaum auf. Dieser Hohepriester eines karnevalesk-anarchischen Unsinns – Typus Physikstudent, stämmig, stoisch ernster Blick hinter der Brille – ist dauernd mit einem langen Mikrofonkabel unterwegs. Er schaut einen auf geringe Distanz direkt an, derweil er seine Texte vorträgt. Am Schluss nötigt dieser Nahkampf-Entertainer einzelne Zuschauer einvernehmlich zu Urschrei-Duetten, mit einem davon geht er gar zu Boden.
Aber erst einmal ging das Spektakel, das die Hamburger Radikalhumoristen HGich.T in der Frankfurter Brotfabrik entfachten, schleppend los. Tutenchamun – in der einen Hand eine Bierflasche, in der anderen eine Zigarette, auf der Stirn steht eine Handynummer, das Hemd ist mit Farbe bespritzt – erzählt alte Witze, mit dem unbewegten Gesicht eines Betrunkenen und mit vielen langen Pausen. Die Aura von Unbedingtheit, die von ihm ausgeht, erinnert an den frühen Helge Schneider – und an Stücke von Samuel Beckett.
Hernach gibt er mächtig Zunder, vor allem mit Bandhits wie ,,Hauptschuhle“ – nur echt in dieser Schreibweise – oder ,,Tutenchamun“. Es handelt sich hier um eine Mischung aus Hamburger-Schule-Humor und Ballermanntechno: Studio Braun treffen Scooter. Die pubertär geprägten, im Hamburger Slang gesprochenen Texte sind zu einem Gutteil nicht zitierfähig: Es gibt keine Grenzen, ganz besonders nicht die Gürtellinie.
Auf der Bühne – die Stärke der Gruppe ist nur ungefähr mit einem runden halben Dutzend bestimmbar – wird getanzt und gemalt, mit anschließendem Angebot zum Verkauf. Im Hintergrund sind psychedelische Bilder, Katzenfotos und Szenen aus alten Spielfilmen zu sehen.

Deichkind kann einpacken

Angesichts dieses phänomenalen Trashs nehmen sich die Sudelshows von Deichkind zahm aus. HGich.T sind schon Mitte der 1990er-Jahre im Umfeld der Hamburger Kunsthochschule entstanden, bundesweit haben sie aber erst mit dem Erscheinen ihres Debüts ,,Mein Hobby: Arschloch“ vor zwei Jahren Furore gemacht. Das gerade herausgebrachte zweite Album „Lecko Grande“ – wiederum übrigens bei dem vor allem für gediegenen Singer/Songwriterpop bekannten Hamburger Label Tapete – vermittelt das Gefühl, die Sache sei bereits ausgereizt. Der Eindruck des Frankfurter Konzerts allerdings war ein anderer.

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