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Musik

24. Februar 2016

Howe Gelb in der Brotfabrik: Bis auf ein einziges Wort

 Von Tim Gorbauch

Liebe zu den alten Standards: Howe Gelb allein an Klavier und Gitarre in der Frankfurter Brotfabrik.

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Wer in der Wüste lebt, sagt Howe Gelb, hat keinen Ehrgeiz. In der Wüste, sagt er, gibt es nichts, nicht einmal einen selbst. Wobei, ein Ziel vielleicht gab es doch. Zumindest jetzt, wenn das Alter in einen hineinkriecht, was sich ja gerne an Jahrestagen festmacht. Bald jedenfalls wird Howe Gelb, der als Kopf und Sänger von Giant Sand das Niemandsland zwischen Country, Folk, Jazz und Blues durchschritten und wie ein rastloser Orpheus den amerikanischen Underground besungen hat, bald wird diese Ikone sechzig. Im Rollenspiel des Lebens sehnt er sich nach all den vielen Häutungen ersichtlich nach Ruhe, nach einem stillen Ort, in dem er sich Zuhause fühlt. „Howe Home“ nannte er vor Jahren schon einmal ein Soloprojekt, wobei er Home als horizontale Spiegelung von Howe erklärte, aber vermutlich steckte doch mehr dahinter.

Howe Gelb jedenfalls hat seine Liebe zu den alten Standards entdeckt. Zu Songs, die nicht nur aus der Zeit gefallen sind, sondern im Grunde über ihr stehen, Songs, wie sie im Great American Songbook festgehalten sind. Nur sind die schwer zu spielen, sagt Howe Gelb, der mit einer schweren schwarzen Lederjacke ganz allein am Flügel in der Frankfurter Brotfabrik sitzt, die Baseballcap bedeckt seine grauen Haare, während sein Mund immer ganz dicht am Mikrofon hängt, damit sein Bass nicht singen muss, sondern einfach erzählen kann. Deshalb hat Gelb seine eigenen Standards geschrieben, „standards for the future“, wie er sie nennt.

Er meint es ernst

Das meint er ernster, als man zunächst denkt, eine Stunde lang sitzt er am Klavier und spielt ganz schlichte Lieder. Manchmal greift er ins Innere des Flügels, um den Fluss für einen Moment ins Stocken zu bringen. Manchmal wirft er etwas auf die Saiten, was den Klaviersound zum Kippen bringt, weil eben das Unfertige, Unperfekte einfach zu Howe Gelb gehört. Und außerdem ist nichts langweiliger als ungebrochene Schönheit. Vor allem dann, wenn man sich mit einem völlig reduzierten, fast skelettierten Cover von „A Thousand Kisses Deep“ vor Leonard Cohen verbeugt.

Manche seiner eigenen, neuen Songs sind noch Skizzen oder zumindest inszeniert er sie so. „Clear“ heißt eines dieser Lieder, mit einer betörend schönen Melodielinie, allerdings noch ganz ohne Text, bis auf ein einziges Wort: Clear. Später spielt Howe Gelb noch „Cry me a river“ und dann auch ein paar Songs an einer spanischen Gitarre, die die Brotfabrik ihm zur Verfügung gestellt hat. Zum Abschied zieht er die Baseballcap vom Kopf und zeigt sein graues Haar. Ikonen kennen kein Alter. Sie sind wie Standards. Die Zeit kann ihnen nichts anhaben.

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