Irgendwann, es ist noch gar nicht so lange her, da waren Maximo Park eine von mehreren heiß gehandelten Antworten auf eine heiß diskutierte Frage: Wer sind die neuen Franz Ferdinand? Nun allerdings, ungefähr vier Jahre später, haben sich selbst Franz Ferdinand verabschiedet vom Franz-Ferdinand-Sein und Maximo Park das erstaunliche Kunststück vollbracht, die einzige Antwort zu sein auf eine andere Frage. Die allerdings ist lange nicht so sexy: Welcher britischen Band gelingt momentan am ehesten der Spagat zwischen Kunstanspruch und Massengeschmack?
Ein Status, den das Quintett aus Newcastle mit "Quicken The Heart" problemlos absichern sollte. Dieses dritte Album kommt nicht nur in einer schlichten, allein auf Schrifttypen und die Farbe Gold bauenden Aufmachung daher, sondern strahlt auch musikalisch die Souveränität eines kommenden Klassikers aus. Denn ganz konzentriert spult die Band das ab, was sie am besten kann: Hochgeschwindigkeitsrock, der sich nicht entscheiden mag zwischen Hysterie und Melancholie, aber jede Unsicherheit wegfegt mit einer Melodie, die gerade so eingängig ist, dass sie nicht als Dutzendware durchgeht.
Weitere Hörproben aus dem neuen Maximo Park-Album finden Sie auf myspace.
Der Mann mit der Melone
Das Etikett "Art-Rock", das die englische Musikpresse der Band leicht hämisch anhängt, haben Maximo Park allerdings vor allem Paul Smith zu verdanken. So alltäglich sein Name ist, so exzentrisch gibt sich der mittlerweile 30-jährige Sänger: Gern tritt er auf im knittrigen Anzug, das lichter werdende Haar verbirgt er unter einer Melone, und seine Texte spickt er mit Referenzen an Pop- und Hochkultur. Mit Vorliebe demonstriert Smith seine Belesenheit: Zwei große Maximo-Park-Hits hießen nicht umsonst "Books From Boxes" und "Russian Literature".
Diesmal blickt er gleich im Eröffnungssong "Wraithlike", von der Liebsten allein gelassen, desillusioniert auf einen Stapel schwer seriöser Film-Magazine. Wenig später modernisiert er das "The Kids Are Alright" von The Who zu "The Kids Are Sick Again". Wie sich die Zeiten geändert haben: Die rebellische Haltung Mitte der sechziger Jahre, die der zeitlose Gassenhauer von Pete Townsend auf den Punkt brachte, mutiert zu Fatalismus und Frust. Auch bei Smith ächzen die Vorstädte vor lauter Sinnlosigkeit, aber daraus folgt keine Wut, die Arbeiterklasse hat ihren Reststolz verloren: "I don't mind losing self-respect/ I've done it before and I'll do it again."
"The Kids Are Sick Again", Maximo Park
Doch keine Angst: Smith überfordert das Medium Popmusik nicht, er liefert nur Zustandsbeschreibungen, er forscht nicht nach den Gründen, beginnt nicht die Politik der Labour-Regierung anzuklagen oder gar die Globalisierung zu diskutieren. Er illustriert ein aktuelles britisches Lebensgefühl, und die Band liefert dazu eskapistisch einwandfreie Unterhaltung, die den düsteren Blick in die Zukunft in schicken, jederzeit tanzbaren Indie-Rock übersetzt: Mal dominiert ein funky Bass wie in "Let's Get Clinical", mal wabert in "The Penultimate Clinch" die Gitarre so ansteckend, als sollte Ian Curtis von den Toten erweckt werden.
Dass die meisten Songs von "Quicken The Heart" dabei nicht so direkt ins Ohr gehen wie "The Coast Is Always Changing" oder "Apply Some Pressure", die ersten Singles der Band, ist dabei kein Nachteil. Maximo Park haben, ohne auf Eingängigkeit zu verzichten, die Bubblegum-Anteile getilgt: Die Synthies klingen nicht mehr so piepsig, und die Rhythmen hoppeln lange nicht mehr so hektisch. Stattdessen arbeiten Maximo Park an einer klassisch abgesicherten Variante ihres typischen Bandsounds, indem sie dessen hyperventilierende Geschwindigkeit leicht herunter schrauben, um Platz für ein paar zusätzliche Details zu schaffen.
Das Ergebnis könnte sein, dass demnächst die am heißesten diskutierte Frage lautet: Wer sind die neuen Maximo Park?
Maximo Park: Quicken The Heart.Warp/Rough Trade.