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Jochen Distelmeyer solo: Es geht weiter, zum Glück

Der Anfang ist ein wenig steif, ein grußloser Auftakt mit "Wohin mit dem Hass". Doch nach und nach werden die Zuschauer im Mousonturm mit Jochen Distelmeyer warm. Von Karin Ceballos Betancur

Jochen Distelmeyer kommt mit seinem Soloalbum in den Frankfurter Mousonturm.
Jochen Distelmeyer kommt mit seinem Soloalbum in den Frankfurter Mousonturm.
Foto: Mousonturm

Natürlich gibt es den Mann mit Bart, der in Frankfurt vorm Künstlerhaus Mousonturm in eisiger Kälte ungefragt zur Auskunft gibt, er selbst habe schon unzählige Blumfeld-Konzerte gesehen, unübertroffen seien die ersten Alben, Ich-Maschine, L´état et moi, aber Distelmeyer als Solist ... Gott, da kann man auch zwischendurch mal eine Zigarette rauchen gehen.

Vielen Musikern, die ein erfolgreiches Bandprojekt irgendwann beendet haben und eigene Wege gegangen sind, verzeihen ihre Fans diesen Schritt nie vollständig. Die Folge sind Konzerte, bei denen der Solist Tour um Tour pflichtschuldig das Banderbe präsentiert und eigene Stücke nur in kleinen Dosen untermischt, bestenfalls begleitet von höflicher Anteilnahme des Publikums. Ähnliches stand nach dem Ende von Blumfeld zu befürchten. Zumal "Heavy", das erste Solo-Album von Sänger Jochen Distelmeyer, mit zehn Tracks allein keinen Abend füllt.

Die Konzerte

Tour-Termine: 2. Febr. Hannover, 3. Feb. Münster, 4. Feb. Darmstadt. www.jochendistelmeyer.de

Der Anfang wirkt ein wenig steif, ein grußloser Auftakt mit dem gitarrenlastigen "Wohin mit dem Hass". Ein vorsichtiges, distanziertes Tasten, auf der Bühne wie im Saal. Bis nach den ersten Stücken die Zahnräder anfangen, ineinander zu greifen. Und sie passen. Das neue "Lass uns Liebe sein" schließt an das alte "Weil es Liebe ist", das trauerschöne "Nur mit dir" lädt sich auf an "2 oder 3 Dinge, die ich von dir weiß". Über eine instrumentelle Schiene, die auf dem Album fehlt, gleitet "Regen" in die Folge, und mit Hall-Effekt und ruderndem Tanz wird aus dem rockigen "Hiob" ein psychedelischer Song. Altes und Neues verbinden sich zu einem stimmigen Ganzen, zu einer Einheit, die nicht um Anerkennung buhlt, sondern selbstbewusst für sich einsteht. Und deshalb funktioniert.

Man kann sich selbst dabei zusehen, wie aus der anfänglichen Hoffnung, Distelmeyer würde das Konzert mit "Verstärker" enden lassen, eine Befürchtung wird. Weil es die Hymnenfalle wäre. Und so nimmt man versöhnt und glücklich hin, dass die zweite Zugabe nach "Status Quo Vadis" mit "Murmel" endet, obwohl man der vertonten Auflistung kindlicher Freizeitbeschäftigungen bisher eigentlich nie viel abgewinnen konnte. Am Montagabend wird sie zum Beweis dafür, dass etwas zu Ende gegangen ist. Und dafür, dass es weitergeht. Zum Glück.

Der Mann mit dem Bart sagt, er hätte für das Konzert kein Geld ausgegeben. Die Karten habe er geschenkt bekommen. Verdient hat er sie nicht.

Autor:  Karin Ceballos Betancur
Datum:  14 | 12 | 2009
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