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Karl Rarichs zum 80.: Was noch zu tun wäre

Karl Rarichs, der bedeutende Aktivist des Musikbetriebs, wird 80. Alles, was er in diesem Betrieb je getan hat, tat er aus der Perspektive und im Sinne der Musiker und der Musik. Von Hans-Jürgen Linke

Karl Rarichs, Künstler im Musikbetrieb.
Karl Rarichs, Künstler im Musikbetrieb.
Foto: Foto-Studio Amling, Weilburg

Karl Rarichs wäre sicher ein ausgezeichneter Dirigent geworden. Seine einschlägige Karriere hatte schon begonnen, damals in Gelsenkirchen, aber ein Unfall verhinderte ihre Fortsetzung. So wurde er, was er heute ist: ein omnipräsenter, dabei stets merkwürdig gern gesehener, immer auch fordernder Aktiver im Musikbetrieb.

Er ist das geworden, ohne zu tun, wozu ihn seine umfassende musikalische Ausbildung eigentlich prädestiniert hätte; Rarichs hat stattdessen mit tiefem Verständnis, weitem Überblick und klaren Zielvorstellungen so nachhaltig gewirkt, dass man den Musiker Rarichs womöglich nicht einmal allzu schmerzlich vermissen muss. Nun wird Karl Rarichs 80 Jahre alt.

Seine künstlerische Biografie liest sich über weite Strecken wie die eines Funktionärs, aber das ist ein Irrtum, der bei Karriere-Verschiebungen entstehen kann. Alles, was Rarichs im Musikbetrieb je getan hat, hat er aus der Perspektive und im Sinne der Musiker und der Musik getan. Im Grundsatz ging und geht es ihm immer darum, einer möglichst breiten Öffentlichkeit möglichst viel gute Musik bieten zu können und möglichst viele zum aktiven Musizieren zu bewegen. Dafür hat er zeit seines Lebens alles, was er aufbringen konnte an organisatorischem Geschick, Diplomatie, Kompetenz und Tatkraft in die Waagschale geworfen. Wo immer er auftritt, tut er das als ein auf freundliche Weise unermüdlicher Mensch, der immer noch einen Satz über das zu sagen weiß, was noch zu tun wäre und wie man sich die Dinge in Zukunft vorstellen könnte.

Außer seinem Hauptberuf, der Verlagsleitung bei einem der bedeutenden Musikverlage des Landes, der in Frankfurt ansässigen Edition C.F. Peters, war er stellvertretender Vorsitzender der Museumsgesellschaft, des traditionsreichsten Konzertveranstalters der Stadt; er hat als Chordirektor die Singakademie geleitet und eine intensive Zusammenarbeit zwischen den großen Frankfurter Chören auf den Weg gebracht. Er ist fast von Anfang an künstlerischer Leiter der Weilburger Schlossfestspiele gewesen, ist darüber hinaus Initiator des Frankfurter Amateur-Musikwettbewerbs und des Dirigentenwettbewerbs Sir Georg Solti. Und das sind nur die wichtigsten und offenkundigsten seiner Aktivitäten.

Rarichs konzipiert sein Wirken stets als Zusammenführen verschiedener Fäden, Strömungen, Aktivitäten, Facetten. Dass er für sein nachhaltiges Engagement schon mehrfach ausgezeichnet wurde, ist eine angemessene Ehre; aber so, wie wir Karl Rarichs kennen, ist für ihn das wichtigste Ergebnis seiner Aktivitäten ihr haltbarer Erfolg. Er lebe hoch.

Autor:  Hans-Jürgen Linke
Datum:  4 | 12 | 2009
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