Selbst die ganz harten Kerle müssen irgendwann klein beigeben. Zum Beispiel dann, wenn ihre Ladies außer Rand und Band geraten. Dann sitzen sie, die richtigen Kerle, einsam und abgehängt im Foyer des Offenbacher Capitols herum und trösten sich mit einem Bier. Ein verregneter Montagabend.
Drinnen im Konzertsaal kreischen derweil die Damen. Es hat sich ein Sänger angekündigt, der als Sänger zwar völlig unbekannt ist, aber als Schauspieler weltberühmt: Kevin Costner. Da mag man sich im wahren Leben als harter und richtiger Kerl empfinden und sogar auch bewähren, gegen diesen Amerikaner ist jeder Widerstand zwecklos.
Kevin Costner ist an diesem Abend der einzige echte Kerl, und für alle, die das immer noch nicht begriffen haben, werden, bevor er die Bühne betritt, auf einer großen Leinwand noch einmal alle Filmhelden des Hollywood-Mimen in Erinnerung gerufen: Mit Bären tanzen, mit großen Kalibern große Löcher in anderer Männer Köpfe schießen, wilde Pferden reiten, mit harten Fäusten anderer Männer nicht so harte Gesichter zu Brei schlagen. Noch Fragen?
Eben. Und um die Männer vor der Tür ein weiteres Mal zu demütigen, entschuldigt sich Costner dann auch noch bei ihnen: Ja, es täte ihm leid, dass sie von den Ladies hierher verschleppt worden seien und sich jetzt wohl etwas überflüssig vorkommen müssten - sagt es und zuckt unschuldig-kokett mit den Schultern. Breites Grinsen. Costner weiß, was Damen wünschen, und so folgt die dritte Demütigung des Abends: Eigentlich, so der Mime, verdanken wir Männer alles den Frauen, nur sie haben uns gerettet, und doch, Costner schaut jetzt ernst, fehlen uns Männern zumeist die Worte, um unseren Frauen zu danken Applaus aus begeisterten Frauenhänden Er habe ein Lied geschrieben, in dem er sich (stellvertretend für euch wortkarges, tumbblödes und gefühlsverarmtes Männerpack) bei den Frauen bedanke.
Oh mein Gott, ein Frauenversteher
Der Song ist hübsch, lieblich und sehr gefühlig: "The way that you love me doesn´t make any sense" Oh mein Gott, ein Frauenversteher ist Costner auch noch. Ansonsten serviert uns der Sänger mit einer gut eingestellten Band das Material seines Albums "Turn It On", und da kann es dann auch mal etwas rockiger und also lauter zugehen.
Costners Stimme näselt ein wenig und ist doch durchaus angenehm, rau und gereift. Eigentlich nichts Aufregendes, aber gerade deswegen aufregend genug für Damen mit gehobenen Ansprüchen. "Das ist ein guter Mann", säuselt eine von ihnen und lehnt sich an die nur zweitbeste Schulter dieses Abends. Tja Männer, so läuft´s Business, das ist Amerika, immer noch die schönste aller Lügen.