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Musik

02. März 2016

Konstantin Wecker in der Alten Oper: Rose und Revolution besingen

 Von Volker Schmidt
Konstantin Wecker in der Alten Oper.  Foto: Wonge Bergmann

Konstantin Wecker wechselt beim "Ohne Warum"-Konzert in Frankfurts Alter Oper zwischen zwei Rollen, ist lyrisch und aufrührerisch.

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In gleich zwei Rollen präsentiert sich Konstantin Wecker zu Beginn des Konzerts: Nach dem Lied „Es ist schon in Ordnung“ behauptet er, er sei eigentlich immer Anarchist gewesen. Nach „Novalis“ nimmt er dagegen für sich den Frühromantiker in Anspruch, der wie Hardenberg, Schelling, Schlegel und Tieck an der Poetisierung der Welt arbeite.

Zwischen den Rollen – der agitatorisch-politischen und der lyrischen – pendelt der Abend in Frankfurts Alter Oper, Teil der nach dem jüngsten Album „Ohne Warum“ betitelten Tour. Leider mit einem Schwerpunkt auf der ersten Rolle. Als Wecker zuletzt hier gastierte, war er auf Jubiläumstour „40 Jahre Wahnsinn“. Er spielte Songs mit Beziehung zum eigenen Leben, berührte mit intimen Momenten. Die gibt es diesmal kaum.

„An meine Kinder“ ist eine der Ausnahmen, vom 2015er Album, gerichtet an die beiden Söhne, 16 und 19, die „schon groß und bald aus dem Haus“ sind. Und das Titellied von Tour und CD, das Wecker allerdings erst als eine der zahlreichen Zugaben spielt: „Es ist so wertvoll, es sollen nur die hören, die jetzt noch da sind“. „Ohne Warum“ strickt ein mittelhochdeutsches Epigramm von Angelus Silesius weiter, darüber, dass die Rose ohne Grund blüht. Die Musik verbindet ein Hannes-Wader-haftes Folkstück mit handfestem Blues: So lässt sich die Welt poetisieren.

Sonst ist viel „Sage nein!“ und „Empört euch“, geht es um „Die feine Gesellschaft am Rande des Abgrunds“, die da oben und das System und irgendwelche Leute, die alles lenken. Selbstverständlich auch die Presse. Das hat an Wortgewalt wenig verloren, aber die revolutionäre Pose ist etwas hüftsteif geworden. Es geht halt so wenig um echte Menschen in vielen dieser Lieder und so viel um Feindbilder und um die Verhältnisse – als würden die nicht von Menschen gemacht.

Weckers langjähriger Bühnenpartner Jo Barnickel sowie Wolfgang Gleixner sind als Multiinstrumentalisten dabei, Fany Kammerlander spielt vor allem Cello, aber auch mal Bassukulele, die Singer-Songwriterin Cynthia Nickschas, die auf Weckers Label veröffentlicht, duettiert am Mikro und bedient die E-Gitarre.

Ein wenig Spontaneität könnte Weckers Konzerten gut tun: Seine Ansagen liest er vom Teleprompter, viele sind wortgleich auf seiner Website nachzulesen. Auch kleine Scherze am Rande sind nur scheinbar aus dem Moment geboren, wie sich auf Youtube überprüfen lässt. Wecker weiß, wie er sein Publikum kriegt. Zum Beispiel, indem er es singen lässt: „Die Gedanken sind frei, / doch jetzt hab ich Bedenken. / Es gibt da so mancherlei, / damit kann man sie lenken.“

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