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Mousonturm : Männliche Diva am Mikrofon

Adam Green rockt im Frankfurter Mousonturm: Er stemmt kraftmeierisch Zuschauerinnen, die er auf die Bühne gebeten hat, in die Höhe, streift sein T-Shirt ab und surft mehrfach bäuchlings über die Köpfe der Menge hinweg. Er lässt fürwahr nichts aus.

Der US-amerikanische Sänger Adam Green.
Der US-amerikanische Sänger Adam Green.
Foto: ddp

Showtime!!! Rock’n’Roll!!! Zum Schluss stemmt der Biertrinker Adam Green kraftmeierisch Zuschauerinnen, die er auf die Bühne gebeten hat, in die Höhe, streift sein T-Shirt ab und surft mehrfach bäuchlings über die Köpfe der Menge hinweg.

Adam Green lässt an diesem Abend im Frankfurter Mousonturm fürwahr nichts aus. ,,Minor Love“ lautet der Titel seines Anfang des Jahres erschienenen sechsten Soloalbums. Liebe in Moll: Dem Bekenntnis des aus der – im New Yorker Greenwich Village verorteten – Antifolkszene stammenden Sängers und Songwriters nach handelt es sich um sein ,,Scheidungsalbum“, entstanden nach dem Ende einer langjährigen, in einer kurzen Ehe gipfelnden Partnerschaft.

Da scheinen wir es mit einem trauernden, melancholischen, musikalisch ruhigeren Adam Green zu tun zu haben.

Im Konzert spielt Adam Green nur wenige der neuen Songs. Für eine Weile steht der 29-Jährige allein mit der akustischen Gitarre auf der Bühne. Danach aber, als die Band zurückgekehrt ist, gebärdet er sich gleich wieder als der Rocker mit Lederjacke und Strohhut, der es dem Anschein nach anstrebt, die exaltierteste männliche Diva am Mikrofonständer seit Mick Jagger zu werden.

2005 war das Jahr, in dem der in den USA wenig bekannte Adam Green in Deutschland die Weihen gleichermaßen des Trashs wie des Feuilletons bekommen hatte: Dem Erscheinen seines Albums ,,Gemstones“ folgten Auftritte bei Harald Schmidt und Gero von Boehm, als Poet wurde Green vom Suhrkamp Verlag geadelt. Seinen Bariton hatte er tiefer gelegt, sich endgültig von der einstigen Lo-Fi-Ästhetik seiner Band Moldy Peaches verabschiedet zugunsten einer latenten Bierzelttauglichkeit. In seinem retrospektiven Konzertprogramm wartete er mit Schunkel-, Polka- und Walzermelodien, Croonerliedern und vor allem mit krachigem Rock’n’Roll auf.

Eine Kontinuität ist offenkundig: Bei Adam Green geht es seit jeher um die Pose. Sie war schon das Kennzeichen der vormaligen Inszenierung als kulleräugig die Welt bestaunender Romantiker. Green ist ein Song-and-Dance-Man im Sinne Bob Dylans und seiner Vorfahren in der amerikanischen Tingelshowtradition. Er ist ein souveräner Entertainer, keine Frage.

Wer aber einmal aus diesem Honigtopf geschleckt hat, der kommt so leicht nicht mehr davon los. Diesem rotzcharmanten Exzentriker und talentierten Songwriter freilich ist der Instinkt für eine neue Wende zur rechten Zeit zuzutrauen.

Autor:  Stefan Michalzik
Datum:  2 | 9 | 2010
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