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Musik

01. Mai 2014

Marko Perkovic alias Thompson: Rechtsrocker geht gegen Kritiker vor

 Von 
Der Musiker Marko Perkovic Thompson.  Foto: REUTERS

Nach einem abgesagten Konzert startet der kroatische Rechtsrocker Thompson eine Kampagne - und stellt seine Kritiker an den Pranger. Sozialen Netzwerke und kroatische Internetportale unterstützen Kroatiens erfolgreichster Musiker dabei.

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Seit ein paar Tagen weiß Ilija G., wie es sich anfühlt, wenn man an den Pranger gestellt wird. Im Internet wird dem Berliner vorgeworfen, ein Verräter zu sein, ein Jugo-Kommunist und ein Feind Kroatiens. Ilija G. ist kein Politiker, kein Prominenter und kein Journalist. Bis dato stand er nie in der Öffentlichkeit. Und doch soll er dafür verantwortlich sein, dass ein für das vergangene Wochenende geplantes Konzert des kroatischen Rockers Thompson nicht stattfinden konnte. Sein Name findet sich in einer Mitteilung des Managements von Thompson, in dem dieser die Schuldigen für die Absage des Konzerts benennt – zwei Journalisten und eben Ilija G. „Und dabei habe ich nichts gemacht, außer eine Email zu schreiben.“

Was war geschehen? Für den 26. April hatte Kroatiens erfolgreichster Musiker, Marko Perkovic alias Thompson, ein Konzert in der Berliner Columbia-Halle angekündigt. Der Vorverkauf lief schon auf vollen Touren, als deutsche Medien damit begannen, über die Hintergründe zu berichten. Denn Thompson ist umstritten. Weil er in seinen Texten nationalistisches Gedankengut verbreitet und immer wieder auch positiv auf das faschistische Ustascha-Regime Bezug nimmt – genau wie seine Fans.

„Ich habe daher eine Email an die Columbia-Halle geschrieben und gebeten, dafür Sorge zu tragen, dass keine faschistischen Symbole gezeigt werden. Mehr nicht“, sagt Ilija G. Die Columbia-Halle aber ging weiter und kündigte den Vertrag mit Thompson. Das Management des Musikers reagierte Ende letzter Woche mit einer Erklärung, in der vermeintliche Feinde Kroatiens für die Absage verantwortlich gemacht werden. „Überreste der Jugokommunisten“ seien noch in Deutschland aktiv, der Kampf gegen diese noch nicht vorbei, heißt es in der Mitteilung. Neben Ilija G. werden auch die beiden Journalisten Sead Husic („Tageszeitung“) und Jerko Bakotin („Neues Deutschland“) genannt.

Was ist kroatisch und was nicht?

„Thompson und seine Anhänger glauben ein Monopol zu haben, das ihnen erlaubt zu entscheiden, was kroatisch ist und was nicht“, sagt Jerko Bakotin, der als freier Journalist in Berlin arbeitet. „Das stimmt natürlich nicht – es gibt in Kroatien jede Menge Menschen, die Thompson ablehnen.“ Doch in der Weltsicht Thompsons und seiner Anhänger kommt jede Kritik an dem nationalistischen Musiker einem Angriff auf das gleich, was sie als „kroatisch“ definieren.

Kommt die Kritik von Kroaten selbst, kann es sich folglich nur um Verrat handeln. Dass auch eine ganze Reihe deutscher Journalisten im Vorfeld des Konzerts in Berlin über Perkovic und seine faschistoiden Anwandlungen geschrieben haben, verschweigt das Thompson-Management. Es würde wohl nicht ganz ins Bild einer Verschwörung von Jugo-Kommunisten passen.

Das Pamphlet wäre nicht weiter beachtenswert, würde es nicht durch die sozialen Netzwerke eine enorme Verbreitung erfahren. An der Kampagne beteiligen sich auch kroatische Internetportale, indem sie die Verlautbarung im Wortlaut und unkommentiert veröffentlichen – darunter auch Portale, die sich explizit an die in Deutschland lebenden Kroaten richten, wie croatia-presse.de oder die Internetseite des Monatsmagazins „Fenix“, das in Frankfurt erscheint.

Nach einer Anfrage der FR reagierte die Chefredaktion von „Fenix“ und ließ das Statement wieder entfernen. Es habe sich um ein Versehen gehandelt, hieß es, man habe nicht die Absicht, Kollegen an den Pranger zu stellen.

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