Die Musiker haben sich auf der Bühne eingerichtet, ein elektrisierendes Orgelriff setzt ein - und dann tänzelt ganz in Schwarz der ewige Hutträger herein. Von der ersten Sekunde an ist klar, wer hier die Show macht. Paul Smith, der Sänger von Maximo Park, beansprucht fortwährend die volle Breite der Bühne. Er steigt auf das Podest des Schlagzeugers und springt mit angewinkelten Beinen herab. Diese Rockchoreografie ist die älteste der Welt.
Im Lichte einer analytischen Betrachtungsweise ist auch die Musik des aus dem nordenglischen Newcastle upon Tyne stammenden Quintetts nicht sonderlich originell. Ein Umstand, der einem Erfolg erfahrungsgemäß meist eher zuträglich ist. Zu den erfolgreichsten Bands der Wiedergeburt des New Wave um die Mitte des Jahrzehnts gehören Maximo Park ohne Zweifel, auch wenn das im Mai herausgekommene dritte Album "Quicken the Heart" keine neuen Hits mehr hervorgebracht hat und beim Frankfurter Konzert in der Jahrhunderthalle der Status "ausverkauft" lange nicht erreicht ist.
Der ersten New Wave haben die Protagonisten dieser zweiten Welle nicht viel zu verdanken - sondern alles. Gleich in "Penultimate", der zweiten Nummer des Abends, klingt Smith wie der auferstandene Ian Curtis von Joy Division. In dieser Rockmusik mit hysterischer Aufladung und ausgeprägtem Tanzgroove geschieht nichts, was nicht schon Ende der siebziger Jahre möglich gewesen wäre.
Den Anspruch freilich, den perfekten Popsong zu bieten, lösen Maximo Park immer wieder derart überrumpelnd ein, dass der Vorwurf des Epigonentums nörgelig wäre. Die spiralförmige Entwicklung der Popgeschichte ist eine Tatsache. Und einen eigenständigen Stil haben Maximo Park durchaus herausgebildet.
Die Musik ist auf eine makellose Weise rau und kräftig, was im Fall von Maximo Park nur ein scheinbarer Widerspruch ist. Sie sind in einer Phase angelangt, in der man "something different" im Konzert machen will: Den Song "Going Missing" singt der - stimmlich auf verschmerzbare Weise tourbeeinträchtigte - Smith mit rein akustischer Begleitung. Auch wenn ernstlicher Verschleiß noch nicht offenbar geworden ist, fragt es sich, wie es mit Maximo Park jetzt noch weitergehen soll. In Zeiten, in denen MTV noch eine relevante Größe war, hätte man an diesem Punkt der Karriere eine Unplugged-Session eingespielt.